Dar es Salaam

Chipsy Mayai schmecken guuut

Jetzt sind meine Tage in Dar es Salaam auch schon wieder gezählt (und inzwischen hab ich auch endlich rausgefunden, wie das geschrieben wird!). Wir haben dort  in einem Hotel in Stadtteil Sinza gewohnt, der ziemlich weit draußen liegt. Dort gibt es wirklich ein paar sehr Afrika-typische Elemente: Hühner auf ungeteerten Straßen, kleine Läden, in denen man sich die Haare machen lassen, Obst und Wasser oder Chips na Kuku (Hühnchen mit Pommes) und Chipsy Mayai (Omelette mit Pommes) kaufen kann. 

Als Weiße bekommt man hier schon so manchen verwunderten Bus interessierten Blick zugeworfen. Noch nie war ich mir meiner Hautfarbe so bewusst. Wir wurden auch die ersten Male mit „Wazungu“ – also Weiße angesprochen. Natürlich wusste ich, dass das Aussehen eine Rolle spielen würde, ab wie es dann wirklich ist, merkt man glaube ich erst, wenn man es erlebt.

Wenn ich ein Telegramm an die Evolution schreiben könnte, würde es etwa so lauten: -Mensch funktioniert- Stopp – gute Arbeit- Stopp – Aber was soll die verschiedene Farbe?

Man ist sich ständig einer erhöhten Aufmerksamkeit bewusst. Besonders, als wir gestern ins Zentrum von Dar es Salaam gefahren sind. Dieses Erlebnis kann man mit einem Wort beschreiben: Voll. Zuerst: Die Hinfahrt im „Dalla Dalla“ – so heißen hier die kleinen Busse, die einen über Kurzstrecken von A nach B bringen. Ich war die letzte, die eingestiegen ist und schon vor unserer Gruppe von 14 Leuten mussten die Fahrgäste im Gang stehen. Als ich mich also noch reingequetscht habe, stand ich nur auf der Einstiegsstufe in der Tür und kam nicht weiter. Kein Problem, wer braucht denn auch schon geschlossene Türen im Bus? So stand ich 2 Zentimeter von der vorbeirasenden Straße entfernt und als der Bus dann auch noch eine scharfe Kurve machte, wäre ich wirklich fast rausgefallen.

Nach dieser ersten Erfahrung mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Tansania folgte die Fahrt im Schnellbus: So einer sieht fast aus wie ein ganz normaler aus Deutschland, aber an die Dichte, mit der sich da die Menschen aneinander gequetscht haben, kommt selbst die BVG nicht ran. Also wieder ein volles Erlebnis. Dann waren wir in der Stadt. Die ist riesig! Gefühlt viel größer als Berlin, auch wenn die Einwohnerzahl nur etwas höher ist: 4 Mio.

Wir waren dort zuerst in der lutherischen Kirche. Dort ist mir aufgefallen, dass alle Bilder von Heiligen und auch von Jesus diese als weiß dargestellt waren, teilweise sogar mit blonden Haaren. Das kam mir komisch vor. Immerhin stimmt das historisch doch noch nicht mal. Naja.

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Ganz netter Blick runter vom Kirchturm

Auf dem Turm der Kirche gab es einen wunderschönen Ausblick über das Meer und die Stadt und dann noch eine Überraschung: Sie Glocken, die dort hingen, hatten einen deutschen Schriftzug. Die hatten also wohl auch schon eine etwas längere Reise hinter sich, wodurch ich mich ihnen gleich verbunden fühlte.

Danach sind wir dann voll in die Stadt eingetaucht: Hier wurde auch dem letzen klar: Wir sind weiß. Ob nun in der Apotheke, der Post, beim Geld abheben, vor allem aber auch beim durch die Straßen laufen: Überall wird man angeschaut. In den allermeisten Fällen sind die Blicke neugierig, häufig freundlich und oft auch aber oft auch ein bisschen verlangend: Wir der reiche „Mzungu“ etwas bei mir kaufen? Unter diesen Blicken sind wir also durch die Stadt gelaufen, um Geld zu wechseln und abzuheben, die Apotheke zu suchen und die Post zu besuchen, dann Hunger zu bekommen, ein Restaurant zu finden und noch einige wichtige, allerdings nicht besonders spannende Dinge zu erledigen. Der Höhepunkt folgte dann nach dem Essen: Wir sind in eine Straße voller Läden gegangen, die alle das selbe verkauften: Kitenge und Kanga, also diese typischen Stoffe, die man vor sich sieht, wenn man an Afrika denkt. Hier hat sich die Aufmerksamkeit für uns nochmal um gefühlt das hundertfache gesteigert. Von allen Seiten hörte man nur noch: „Rafiki yangu!“ (=meine Freunde!) und „come over here!“ Natürlich wäre es mir lieber gewesen, wenn man uns etwas mehr Frieden gegönnt hätte, aber so schlimm war es dann im Endeffekt gar nicht. Trotz der vielen Zurufe fühlte ich mich nicht wirklich bedrängt oder belästigt. Alle konnten ein „Hapana“, also ein Nein akzeptieren und sind uns nicht all zu sehr auf die Pelle gerückt. So konnten Nele, Melissa und ich uns nach vielem hin und her für einige Tücher entscheiden. Mein erster Kitenge stammt also aus Dar es Salaam. Ich kann jetzt nämlich unterscheiden, bei welchen Tuch es sich nun um einen Kitenge oder doch ein Kanga handelt und bin sehr stolz darauf. Das jetzt aber in aller Länge auszubreiten, hab ich nicht vor… falls es jemanden brennend interessiert, muss er wohl mal die Kommentarfunktion benutzen 🙂

Spannender ist vielleicht, wie wir danach noch irgendwie nach Hause gekommen sind: Nachdem wir eine Stunde auf einen Bus gewartet hatten, in den wir auch nur ansatzweise alle reingepasst hätten, haben wir uns dazu entschieden, die Gruppe aufzuteilen. In Vierergruppen sind wir dann, gefühlt mit der Hälfte aller Einwohner Dar es Salaams durch die Stadt gefahren. Als wir endlich alle am Busbahnhof angekommen waren, war es (statt wie geplant etwa 5 Uhr) schon 7 und damit dunkel. So nah am Equador ist auf die Sonne ab 6 nämlich zunehmend kein Verlass. Vom Busbahnhof mussten wir dann noch zu den Dalla Dallas kommen, die uns endgültig nach Hause bringen sollten. Der schnellste Weh dahin führet über Bajajis – das sind diese kleinen, motorisierten Dreiräder, die man woanders auch aus Tuktuks kennt. Zu dritt sind wir, also die BMW’s (Berliner Missionswerk = BMW, also sind Nele, Melissa und ich die BMW’s) in so eins gestiegen.

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Der Busbahnhof am Abend – Moskitoalarm!

Man sollte nicht meinen, wie schnell so ein Ding werden kann! Ich saß außen an der (mal wieder nicht vorhandenen) Tür und hatte das zweite Mal an diesem Tag Angst, einfach auf die Straße zu fallen. Das beste sollte aber erst noch kommen: Unser Fahrer wollte ein anderes Bajaji überholen und ist zu diesem Zweck mehr zur Mitte der Straße und darüber hinaus gefahren. Während er noch damit beschäftigt war, den überholten Fahrer zu beschimpfen, konnten wir drei erleben, wie zwei riesige Scheinwerfer auf uns zu kamen. Im letzen Moment sah unser Fahrer den Truck kommen und lenkte uns – ungelogen keine Millisekunde zu früh – wieder von den Gegenfahrbahn. Ich übertreibe wirklich nicht! Es haben echt nur wenige Zentimeter gefehlt, und das Auto hätte unser kleines Dreirad mit Sicherheit umgeschmissen. Meine Bilanz sah danach wie folgt aus: 3 Tage in Tansania, eine Nahtoderfahrung.

Das hat uns allerdings nicht davon abgehalten, gleich am nächsten Tag auch in das nächste Bajaji zu steigen. Diesmal sollte es zum Strand gehen, und von allzu großen Abenteuern blieben wir auf dieser Fahrt verschont.

Das Ressort, in dem wir dann waren, hat sich einfach nach Luxusurlaub angefühlt (wobei der Eintritt ungefähr 2€ gekostet hat). Überall Palmen, weißer Sand und blaues Wasser. Ich Beim Baden hat sich dann allerdings rausgestellt, dass sowohl Wasser als auch der untere Strand nicht ganz sauber waren. Hier ist das Bewusstsein für den Umweltschutz meiner Beobachtung nach noch nicht allzu groß. Wohin man schaut, kann man Plastikmüll finden. Da gerät man natürlich auch selbst mal schnell in Versuchung, das Bonbonpapier einfach über die Schulter zu werfen, nach dem Motto: Das macht den Kohl nun auch nicht mehr fett. Ich versuche, dem Gedanken zu wiedererstehen.

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Wie viele Aufnahmen haben wir wohl gemacht, bis wir das so hinbekommen haben?

Am Strand gab es dann noch eine angenehme Überraschung: Heinke, also die deutsche Ärztin, die im Krankenhaus in Matema arbeitet, ist noch vorbei gekommen. Wir haben lange gequatscht, und obwohl ich nichts besonders Neues oder Spannendes erfahren habe, hat es mich doch beruhigt, keine Volontäre fressende, sondern eine nette und interessierte Chefin zu haben.

Am Abend kam dann noch eine Aufgabe auf uns zu, um die wir uns die ganzen letzten Tage erfolgreich gedrückt hatten: Koffer (bzw. Rucksack) packen. Bei unserer Ankunft hatte ich alles irgendwo hingeschmissen. Dort hatte es sich inzwischen auch schon ganz gut eingelegen. Als schließlich alles wieder zusammengesammelt war, stellte sich die Frage, wie das alles jemals in den Rucksack gepasst hatte. Am Ende hat es dann doch geklappt. Mein Tipp fürs Packen: Was nicht passt, wird passend gemacht.

Nach dieser Großtat hatte ich mir meinen Ugali (also Maisbrei – so langsam fange ich echt an, den zu mögen) nun wirklich verdient. Danach waren wir alle schnell müde. Das ist echt beeindruckend hier: Man hat schon um 20 Uhr das Gefühl, es sei mitten in der Nacht – wie gesagt, der Equador liegt hier etwas näher dran als in Deutschland. Da wir am nächsten Morgen aber schon früh rausmussten (so langsam endet das Urlaubsfeeling) war das schon in Ordnung. Schließlich wollten wir für die Fahrt nach Morogoro fit sein. Dort wird die nächsten zwei Wochen ein Swahili-Sprachkurs stattfinden. Den hab ich auch bitter nötig: Schließlich ist die Lieblingsbeschäftigung vieler Tansanier, die wir treffen, unsere Sprachkenntnisse zu testen und sich dann über uns totzulachen. Na wartet, bald werd ich euch mit meine jibus (=Antworten) nur so um die Ohren hauen!

Wie und ob das alles so klappt, lest ihr vielleicht bald hier. Also: Kwaherini!

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Jessi sagt:

    Carli- das klingt ja alles wirklich abenteuerlich! 😅 Pass ganz gut auf dich auf!!!

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    1. carliola sagt:

      Immer doch 😊

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  2. Du wolltest ja was erleben! Weiter viel Spaß!

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    1. carliola sagt:

      Das werd ich auch auf jeden Fall! Schon jetzt hab ich das Gefühl, voll viel erlebt und auch ein bisschen was gelernt zu haben. Heute hab ich auch tatsächlich die erste (kleine) Konversation auf Swahili geführt. Ein erster Erfolg!

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