Hoch die Hände…

 

… mein zweites Wochenende in Tansania! Am Samstag durften wir endlich mal ausschlafen. Das heißt, dass es Frühstück bis um halb neun gab! Danach sollte es zum „Massai Cow Market“ gehen. Dort verkaufen, wie der Name schon sagt, die Massai ihre Kühe. Die waren einst die größte Volksgruppe in Tansania und leben als Normaden vor allen von ihren Rindern. Heutzutage hat auch bei ihnen die Moderne Einzug erhalten, allerdings sind sich viele ihres Erbes immer noch bewusst. So tragen sie an einem Tag die traditionelle Tracht der Massai, am nächsten aber T-Shirts, Cap und Jeans. Einige leben weiterhin von der Viehzucht, andere aber studieren oder haben ganz alltägliche Jobs.

 

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Der Bus. Um dieses Foto zu mchen, habe ich mit meinem Hintern an der Windschutzscheibe geklebt (zur Freude der Außenstehenden)

Wir waren gespannt auf unseren ersten Kontakt zu einer speziellen Volksgruppe und standen deshalb zum verabredeten Zeitpunkt gestiefelt und gespornt (also in den typischen Flatterhosen, Birkenstocks und mit der Kamera in der Hand) am Parkplatz, um in den Bus einsteigen. Die Frage war jetzt nur, wie etwa 35 Personen in ein Fahrzeug passen sollten, das laut Deklaration für 20 ausgelegt war. Wie immer kein Problem. Wir haben alle (diesmal sogar sitzend) reingepasst. Allerdings war die Platzaufteilung ein bisschen anders als in deutschen Reisebussen. Ich saß nämlich auf einer Bank parallel zur Fensterfront und direkt vor der Windschutzscheibe. Das war so cool! Man konnte endlich mal den Weg sehen, den man schon einige Male mit dem DallaDalla gefahren war, ohne irgendetwas von seiner Außenwelt mitzubekommen, weil man entweder mitten im Gang stand oder vom Geschehen im Inneren einfach zu sehr abgelenkt war. Die Straße ist ganz grade und führt durch eine etwas hügelige Landschaft. Man kann die Dächer von Morogoro sehen. Das hat mich zu der Erkenntnis geführt, dass die Stadt doch nicht so klein ist, wie ich ursprünglich dachte. Tatsächlich ist sie ziemlich riesig und wir haben davon bis jetzt quasi gar nichts gesehen. Vielleicht haben wir aber am nächsten Samstag nochmal die Gelegenheit dazu. Die Fahrt zum Kuhmarkt hat etwa eine Stunde gedauert. Unterwegs haben wir eine Kuh auf einem Mini-Pickup, viele Motorräder, die so viel Fracht geladen hatten, dass sie dadurch breiter waren als lang und zunehmend Massai in ihrer traditionellen Kleidung.

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Viehtransport – die Kuh hat die Ruhe weg

Auf der Hälfte des Weges sind zwei Lehrer aus der Sprachschule zugestiegen. Zu meiner Überraschung trugen sie ebenfalls die Tracht der Massai. In der Schule waren sie in Hemd und Hose herumgelaufen, aber nun stellte sich heraus, dass sie eben auch zu dieser Völkergruppe gehörten. Somit hatten wir die perfekten Fremdenführer für den Markt.

 

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Ich hoffe, man kann mich von den Kühen unterscheiden 😉

Wir kamen an, stiegen aus und wussten gar nicht, wohin wir zuerst gucken sollten. An einem Stand konnte man Kleidung kaufen, am nächsten frisch geschlachtetes und gebratenes Fleisch, auf einem Tisch lagen ein paar Kuhmägen, auf einen Platz wimmelte es nur so von Ziegen und ein paar Stände weiter hingen diese an einer Stange bereits in halbiertem Zustand. Die Hauptattraktion bildete der eigentliche Kuhmarkt. Er lag in der Mitte des ganzen Geschehens und bestand eigentlich nur aus einem großen Sandfeld. Darauf tummelten sich hunderte von Kühen und mindestens ebenso viele Massai, die die Ersteren begutachteten, kauften und verkauften. Die Kühe sahen etwas anders aus, als die auf den Milka-Tafeln. Es gab verschiedene Arten von ihnen: Die einen waren ziemlich klein, nicht viel größer als Bulldoggen. Man konnte ihre Rippen sehen. Zum anderen gab es aber auch solche, die etwa doppelt so groß waren und so einen Höcker auf dem Nacken hatten, dass sie schon fast als Büffel hätten durchgehen können. Ein paar von denen hatten dann auch noch Hörner, die so lang und groß waren, dass man schon fast von einem Geweih sprechen muss.

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Der Kuhmarkt – ein Wunder, das die ganzen Menschen und Tiere überhaupt auf den Platz passen!

Manche Kühe wurden auf große LKWs verladen. Hier scheint das selbe Prinzip zu gelten wie im Dalla Dalla: Voller geht immer. Die Kühe, die von diesem Schicksal betroffen waren, konnten einem wirklich leidtun: Zuerst wurden sie eng in eine Umzäunung getrieben und dann mit einigermaßen brutalen Stockhieben eine Rampe hinauf auf die Ladefläche getrieben.

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Lauf, Kleines, lauf!

Oft versuchte eine Kuh, aus der Herde zu fliehen oder auf der Rampe rückwärts zu laufen. Dann rannten sofort mehrere Männer zu ihr und brachten sie mit ihren Stöcken wieder auf den richtigen Weg. Auf der Ladefläche angekommen, mussten sie sich eng zusammenquetschen. Unter den Tieren, die wir bei der Verladung beobachtet haben, waren auch mehrere mit dem erwähnten „Geweih“. Diese hatten ganz besondere Probleme, da sie sich damit in den Stangen, die über der Ladefläche angebracht waren, verkeilten, während die anderen Tiere bereits nachdrängten.

 

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Auch die Ziegen hatten es nicht immer sehr bequem

Diese Bilder waren also nicht besonders schön und idyllisch, aber aus eigener Erfahrung (Danke Landtierarztpraktikum) kann ich behaupten, ist das in Deutschland auch nicht so viel anders ist. Der Unterschied ist nur, dass bei unseren Viehtransporten die Ladefläche geschlossen ist und man deshalb nichts sehen kann.
Während wir über den Markt gingen, könnten wir also so manchen bestaunen. Umgekehrt konnten sich die Massai aber auch nicht beschweren: Wir waren die Attraktion Numero 1. So langsam gewöhnt man sich zwar an den Umstand, dass sich allerorts die Köpfe nach einem umdrehen, aber hier war es wirklich schon sehr intensiv. Man hat sogar Fotos von uns gemacht. Das habe ich dann als Aufforderung verstanden und meinerseits kräftig durch die Gegend fotografiert. Besonders lustig war aber, dass zwei andere Weiße sich durch Zufall ebenfalls auf den Markt verirrt hatten. Als der eine uns sah, zückte er sofort seine Kamera. Da mussten wir echt lachen. Er muss gedacht haben: „Wow, voll krass! Weiße Menschen!“

 

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Die Stoffstände (bevor wir sie geplündert haben)

Abschließend sind wir dann noch zu den Ständen gekommen, die die traditionelle Kleidung der Massai verkauften. Zuerst war ich mir ziemlich sicher, dass ich dieser Versuchung widerstehen könnte, weil sie Tücher für die Frauen längst nicht so schön sind wie die für die Männer. Es stellte sich aber heraus, dass es selbst als tansanische Frau völlig in Ordnung ist, solche Tücher zu kaufen (die einzigen, die das nicht dürfen, sind die Massai-Frauen – da wäre ich an deren Stelle schon ganz schön eingeschnappt) und meine Überzeugung geriet ins Wanken. Als dann auch noch der Preis genannt wurde – ungerechnet nicht mal fünf Euro – gab es für mich und auch für die meisten anderen kein Halten mehr: Wir stürmten die Stände. Da diese zwar überdacht waren, die Wände aber nur aus den auf Leinen hängenden Tüchern bestanden, sah es nach unseren Einkäufen fast so aus, als hätten wir das halbe Haus abgerissen. Die Verkäufer werden darüber allerdings nicht allzu traurig gewesen sein.

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Hier ein „Original-Massai“

Die drei Jungs in unsere Gruppe haben sich außerdem noch andere unverzichtbares Accessoires besorgt: Macheten. Um einen Mitfreiwilligen zu zitieren: „Die sind schon sehr nützlich! Man kann damit Kokosnüsse öffnen und ich kann für Ordnung im Garten sorgen, falls das Buschwerk mal zu hoch wird.“ Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich immerhin dieser Versuchung widerstehen konnte und wirklich nur ein einziges Tuch gekauft habe. Schließlich muss ich das alles auch noch irgendwie nach Matema bringen und habe schon jetzt die leise Ahnung, dass das meine Packkünste ganz schön herausfordern wird, gerade weil wir am Samstag vielleicht noch einmal auf einen Markt für Kanga und Kitenge gehen werden. Aber ihr kennt ja schon mein ultimatives Motto zum Kofferpacken: Was nicht passt, wird passend gemacht. 🙂

 

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Hier wird noch fleißig gekocht und vorbereitet…

Uns war gesagt worden, dass wir auf dem Markt auch noch ein kleines Picknick machen würden. Diese Aussage küre ich hiermit offiziell zur größten Untertreibung der ersten zwei Wochen in Tansania. Bei „Picknick“ denke ich an belegte Brote, einen Apfel, Decken auf dem Boden und Wasser oder Tee aus der Thermoskanne. Diese Elemente waren auch hier vorhanden, allerdings in etwas anderer Dimension: Es gab zwar Brot, allerdings nur als Beilage zu den drei verschiedenen Salaten (Kartoffel, Tomate und irgendwas, das sehr scharf war), den hartgekochten Eiern und den zwei frisch gebratenen Fleischsorten von Markt. Statt Äpfeln gab es Unmengen von sehr leckerer Melone und Bananen. Picknickdecken wurden zwar ausgelegt, aber anstatt darauf zu essen, wurde dort erstmal alles noch zubereitet, während wir auf mitgebrachten Plastikstühlen thronten. Auch Tee und Wasser wurden durch gekühlte Softdrinks ersetzt.

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… während wir nicht besonders produktiv sind

Zusammenfassend kann man sagen: Man konnte sich nicht beschweren. Leider habe ich mich so vollgefressen, dass ich am Ende nicht mehr genug Platz hatte, um auch noch eine von den Kokosnüssen zu probieren, die zum Verkauf angeboten wurden. Geöffnet hat es sie übrigens wirklich mit einer Machete. Also wäre der Kauf von einer Machete vielleicht doch gar nicht so dumm gewesen… am besten gar nicht mehr darüber nachdenken.
Danach sind wir dann wieder zurück zur Sprachschule gefahren, damit wir auch pünktlich zum Tee wieder am Tisch sitzen konnten. Für die meisten anderen war der Tag damit so gut wie gelaufen, während er bei mir erst so richtig losging:

Seit meiner Ankunft in Tansania hatte mein Computer sich nämlich geweigert sich, auf welche Art auch immer, mit dem Internet zu verbinden. Weder gutes Zureden noch Geduld noch Gewalt (meine üblichen Lösungsansätze bei Computerproblemen) hatten geholfen. Schließlich hat Papa herausgefunden, was das Problem war: Noch in Deutschland hatte ich – wie vom Verkäufer des Gerätes angeraten – ein neues Betriebssystem installiert. Nun stellte ich heraus, dass dieses sich auf meinem Computer nicht besonders heimisch fühlte und somit unter anderem das Internet blockierte. Statt meiner üblichen Methoden musste ich nun härtere Geschütze auffahren: Computer zurücksetzen. Das hat dann auch insofern funktioniert, als dass das Internet wieder ging. Allerdings waren im Gegenzug nun sämtliche Programme, die ich mir noch in Deutschland heruntergeladen hatte, verschwunden. Zuerst habe ich angenommen, dass sich dieses Problem leicht lösen ließe. Nach dem Abendessen spazierte ich also guter Hoffnung in den Gemeinschaftsraum und somit zum WLAN, um die Angelegenheit „mal schnell“ zu erledigen. Als ich sieben Stunden später immer noch dort saß, war meine Laune dann doch schon etwas gesunken. Dann aber habe ich beschlossen, das Ganze als erste Übung zur Aneignung der tansanischen Entschleunigung zu betrachten: Geht’s heute nicht, geht’s vielleicht kesho, also morgen. So war es dann auch, denn nach Mitternacht lud der Computer aus irgendeinem Grund schneller.

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Dunkel war´s, der Mond schien helle – so sieht das hier mitten in der Nacht aus.

So konnte ich also noch vor 3 Uhr nachts schlafen gehen. Gut so, denn schließlich wollte ich für den nächsten Abend gut sein: Da sollte es nämlich auf die „Fiesta“ in Morogoro gehen. Das ist ein Festival, dass mir den beliebtesten Künstlern Tansanias im Gepäck quer durchs Land reist. Zufällig waren sie an diesem Sonntag in der Stadt. Diese Chance konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Ein paar unserer Sprachlehrer erklärten sich dankenswerterweise dazu bereit uns zu begleiten. Sie organisierten Tickets und die Fahrten und warnten uns, nichts Wertvolles mitzunehmen. Also bin ich das erste Mal in meinem Leben ohne Handy abends weggegangen. Schmuck und Uhr habe ich ebenfalls auf dem Campus gelassen und dann (ebenfalls zum ersten Mal) meinen BH die Nebenfunktion „Portemonnaie“ hinzufügt. Hat echt ziemlich gut funktioniert.
Uns war gesagt worden, dass wir etwa gegen vier Uhr nachmittags aufbrechen wollten. Das kam uns zwar allen etwas früh vor, aber dennoch standen wir zur verabredeten Zeit mal wieder gestiefelt und gespornt (das heißt diesmal mit langer Kleidung gegen die Mücken, also meiner alten Sweatshirt Jacke, aber immerhin geschminkt) am Treffpunkt. Leider waren die Lehrer, die uns mitnehmen wollten zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal auf dem Campus, geschweige denn die Autos, die uns zum Ort des Geschehens bringen sollten. Irgendwann kamen sie dann doch und meinten, dass wir erst in einer halben Stunde aufbrechen würden. Im Endeffekt sind wir erst gegen halb sieben aufgebrochen. Im Nachhinein muss man sagen, dass wir uns das schon hätten denken können. Die Zeit läuft hier einfach anders. Man orientiert sich mehr am Stand der Sonne als an der tatsächlichen Uhrzeit. Unser Swahili-Lehrer hat uns das so erklärt:“ If you say: Come to me at 4 o‘ clock pm, it means nothing to me. But if you say: Come in the afternoon, sure I will come. At some time in the afternoon.“ Für uns ist das jetzt noch schwer vorstellbar. Man kann einfach keinen Plan machen, wenn jeder kommt, wenn es einem passt. Aber anscheinend funktioniert es ja. Also kann man es wohl auch lernen.

 

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17 Mann und Frau in einem PKW – ganz schön kuschlig

Die Fahrt zum Festival kann man (wieder mal) als abenteuerlich bezeichnen. 17 Personen teilten sich 9 Plätze. Ich und drei andere Freiwillige saßen im Kofferraum und hüpften fröhlich bei jeder Bodenwelle (davon gibt es auf den Straßen hier ziemlich viele) auf und ab. Es war ziemlich lustig. Endlich angekommen, haben wir uns erstmal was zu essen organisiert. Für mich gab es mal wieder Chipsi Mayai – das müsste wirklich auch in Deutschland eingeführt werden! Nach einem kurzen Erfolgserlebnis auf der Toilette (ich konnte die Worte für „Männer“ und „Frauen“ zuordnen und somit zielsicher in die richtige Kabine gehen), haben wir uns so langsam in Richtung Bühne bewegt. Wenn wir schon auf dem Massai Markt stärker aufgefallen waren, so konnte man sich hier vor Aufmerksamkeit kaum noch retten. Die Leute bildeten zu Anfang einen großen Kreis um uns, haben uns andauernd nach Fotos gefragt und später, als die Show schon in vollem Gange war, deutete einer der Künstler von der Bühne auf uns und schrie: „Wazungu, I love you!“ Das war mir schon ein bisschen peinlich und so beschloss ich zunächst, nicht weiter auf meine Umgebung zu achten und stattdessen einfach zu tanzen. Zusammen mit Clara (Freiwillige aus Hamburg und schon deshalb ziemlich cool) bin ich also eine Weile auf und ab gesprungen. Die ersten Acts bestanden vor allen Dingen aus Rap. Das war auf die Dauer ein bisschen anstrengend, weil es dabei ja oft auf den Taxt ankommt und mein Swahili dafür bis jetzt leider noch nicht ausreicht. Mit der Zeit wurde die Musik immer besser, aber durch mein technisches Abenteuer vom letzten Abend nahm auch meine Müdigkeit immer mehr zu. Was auch noch zunahm, war das Gedränge vor der Bühne. So machten wir einige neue enge Bekanntschaften – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich war echt froh darüber, in einer großen Gruppe unterwegs zu sein. Wenn auf einmal ein fremder Mann hinter dir steht, die Arme um dich legt und dir ins Ohr haucht, „I´m a Massai boy!“, ist es schon besser, sich schnell in der Masse von anderen verstecken zu können.

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Danke an die, die es riskiert haben, ihr Handy mitzunehmen! So gibt es zumindest ein Foto.

Trotz allem hat es ziemlich viel Spaß gemacht, sich mal wieder ein bisschen zu bewegen und unter Leute zu kommen. Sogar das Bier war ganz erträglich. Später bin ich mit Clara noch ein bisschen über den Platz gelaufen. Wir haben Wasser gekauft und hatten dann noch ein bisschen Kleingeld übrig. Das haben wir (eigentlich war es Claras Geld) dann in eine Packung Kekse investiert. Es war so entspannt, unter freiem Himmel ein bisschen auf und ab zu gehen, die Musik von der Bühne in einer etwas geringeren Lautstärke zu hören und dabei Kekse zu essen! Zwischendurch hatten wir den einen oder anderen Kommunikationsversuch mit den anderen Festivalbesuchern, allerdings trug die Lautstärke nicht gerade zum besseren Verständnis bei.

Kurz vor Schluss, als meine Laune eigentlich gerade auf dem Höhepunkt war, ist dann aber noch etwas ziemlich Blödes passiert: Ein paar aus unserer Gruppen hatten ihre Handys doch mitgenommen, um im Fall des Falles jemanden erreichen zu können. Einer von uns wurde das Handy dann einfach aus der Hand gerissen und wir haben noch nicht einmal gesehen, von wo der Angriff kam. Der Dieb war sofort wieder in der Menge verschwunden. Das hat mich schon ein bisschen schockiert. Den ganzen Abend hatte ich das Gefühl gehabt, zwar ein Aufmerksamkeitsmagnet zu sein, aber nicht als potentielles Opfer betrachtet zu werden. Innerhalb von drei Wochen sind in unserer Gruppe jetzt drei Handys verschwunden. Nicht schlecht für den Anfang!

Seitdem achte ich noch mehr auf meine Wertgegenstände, wenn ich unterwegs bin. Trotzdem fühle ich mich hier nicht unsicher oder bedroht. Außerdem wird sich die Situation wahrscheinlich noch einmal völlig ändern, wenn ich aus der großen Stadt endlich in mein „Dörfchen“ komme. So langsam kann ich es kaum noch abwarten!!!

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So haben unsere Lehrer Eliah und Kishumo noch am Samstag ausgesehen. Einen Abend später hätte an sie kaum wiedererkannt.

Alles in Allem war es sehr interessant, mal in die Jugend- und Feierkultur hierzulande eingeführt zu werden. Sie ist (oh Wunder) nicht besonders anders als überall sonst auch: Leute kommen zusammen, hören Musik, tanzen, blamieren sich beim Tanzen (mein Spezialgebiet), lernen neue Leute kennen und sammeln ein paar Geschichten zum später erzählen. Auch die Kleidungstile beim Ausgehen unterscheiden sich eigentlich gar nicht von dem, was man abends so in Deutschland beobachten kann: Manche tragen eigentlich nur Schminke, andere das, was sie auch sonst anhaben und einige haben ihren ganz eigenen Stil. Besonders fiel das bei unseren zwei Massai-Lehrern auf: Gestern waren sie noch nur mit Tüchern behangen, einen Holzstock in der Hand und die Machete am Gürtel durch die Stadt und über den Markt spaziert, heute trugen sie T-Shirt, Jeans, Sneakers, Cap und Sonnenbrille.

 

So kamen wir irgendwann in der Nacht erschöpft, von der Fahrt durchgerüttelt und halb taub wieder auf dem Campus an. Der Abend klang für mich mit einer Stunde auf dem Bett sitzen und quatschen aus. Am nächsten Tag mussten wir ja schließlich erst um 06:30 Uhr aufstehen! Mir hat der Abend wirklich gefallen.

So, und jetzt ist es schon wieder Donnerstag und somit hört sind wir morgen mit dem Sprachkurs fertig. Der hat wirklich was gebracht! Ich hoffe, ich habe noch Gelegenheit dazu, zu schildern, was in der letzten Woche so passiert ist! Leider oder aber auch wundervollerweise ist das gerade so viel, dass ich mit dem Schreiben gar nicht mehr hinterherkomme. Vielleicht nur noch das: Jetzt gleich, also nach der Mittagspause werden wir eine Einführung in die tansanische Küche bekommen. Darauf freue ich mich schon, seit ich es erfahren habe. Endlich mal wieder kochen, vielleicht sogar backen! Immerhin bin ich jetzt schon seit über zwei Wochen auf Entzug!

Auf dem Weg zum Kuhmarkt. Ich mag dieses Foto.

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