Safari na shida nyingi

Wahrscheinlich hat sich in die Überschrift der eine oder andere grammatische Fehler eingeschlichen (Nachtrag vom 28.09.: Ich hab nochmal nachgeguckt und es war echt ein Fehler drin. Jetzt ist er weg 🙂 ), aber das ist ja egal, weil ich euch eh verraten muss, was das heißt: „Eine Reise mit vielen Schwierigkeiten“. Um es vorsichtig auszudrücken: Ich hab eindeutig schon mal entspanntere Reisen gehabt. Dieser Tag kriegt auf jeden Fall den Orden des aufregendsten in Tansania (bis jetzt zumindest).Dafür sieht das Beitragsbild eigentlich etwas zu friedlich aus… naja, schön ist es trotzdem 🙂

Schon am Morgen bin ich mit einem unguten Gefühl aufgewacht. Es war komisch, ein letztes Mal mit den anderen zu frühstücken und zu wissen, dass ich bald ganz auf mich allein gestellt sein würde. Der Abschied von Clara und Helena ist mir echt nicht leicht gefallen. Warum müsst ihr denn auch grade auf der anderen Seite Tansanias leben??? Hoffentlich haben wir Gelegenheit, uns zu besuchen!

Um 9 Uhr sollten der Bus, der mich nach Mbeya und der, der die anderen Freiwilligen nach Njombe bringen sollte, fahren. Also waren wir um halb neun am Busbahnhof und haben gewartet. Der Bus für die anderen kam um halb elf. Meiner nicht. Also durfte ich alleine sitzen bleiben, die neugierigen Blicke auf mir spüren und die Angebote der Straßenverkäufer abwehren. Eine weitere Stunde später kam ein Mann, der für die Buslinie verantwortlich zu sein schien und dem ich schon gesagt hatte, wohin ich musste, zu mir und packte meinen Rucksack. „Mbeya?“, fragte er noch einmal, wie um sich zu vergewissern, und als ich nickte, lotste er mich über den vollen Platz zu einem Bus, verstaute mein Gepäck darin und deutete auf die Tür. Ich bedankte mich und stieg ein. Dass der Bus nicht das Label der Firma trug, bei der ich gebucht hatte, wunderte mich nicht besonders – bei den anderen Freiwilligen war das auch der Fall gewesen. Auch dass mein Ticket nicht kontrolliert wurde, störte mich nicht. Ich konzentrierte mich erstmal darauf, einen Sitzplatz zu finden.

Die Fahrt ging los. Die ersten vier Stunden vergingen ziemlich schnell: Ich saß am Fenster und schaute auf die wunderschöne, mir noch völlig fremde Landschaft. Einmal habe ich sogar eine Giraffe gesehen. Ein paar Affen gab es auch. Nach den vier Stunden passierten wir Iringa. Danach wurden die Straßen zusehends holpriger: Die Hauptstraße scheint gerade saniert zu werden und so fuhren wir einen Großteil der Strecke auf einem ungeteerten Pfad. An einschlafen war von da an nicht mehr zu denken: Bestimmt alle 10 Minuten fuhr der Bus so schnell über eine Bodenwelle, dass es sämtliche Insassen in die Luft schleuderte (Anschnaller gab es zwar, aber zumindest meiner hat nicht funktioniert). Man sagt ja öfter mal bei einer Autofahrt, dass man ganz schön durchgeschüttelt wurde, aber gegen diese Fahrt sind solche Erlebnisse, wie man sie zum Beispiel auf den Berliner Straßen erleben kann, eine Luxusfahrt auf der Rennstrecke. Man verlor wirklich regelmäßig den Sitz unter dem Hintern, weil man so in die Luft geschleudert wurde. Gut, dass ich weder viel gegessen noch getrunken habe, sonst wäre meinem Magen das Ganze doch vielleicht etwas zu bunt geworden.

Das war nämlich auch so eine Sache: Der Bus hielt zwar auf der Fahrt ein paar Mal, um Gelegenheit zu bieten, die körperlichen Bedürfnisse zu stillen, aber ich traute mich nicht, auszusteigen, aus Angst, am Ende am Straßenrand zurückgelassen zu werden. Das ist durchaus möglich: Wenn der Bus weiterfahren will, hupt er einfach ein paar Mal und alle kommen wieder angerannt. Wer das nicht hört oder vielleicht sogar noch auf der Schüssel sitzt, hat eben Pech gehabt.

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Solche Marktstände gab es überall entlang der Strecke. Dieser ist aber besonders schön

Als es langsam aber sicher dunkel wurde (übrigens ein wunderschöner Anblick, siehe Beitragsbild), begann ich, nach „Uyole“ Ausschau zu halten. Das ist ein Ort, der nach Heinkes Auskunft etwa eine halbe Stunde entfernt von Mbeyas Busbahnhof liegt. Wenn wir ihn passierten, sollte ich einen bestimmten Taxifahrer anrufen, damit er mich dann pünktlich am Busbahnhof abholen könnte. Soweit der Plan. Leider verstrichen die Stunden und von Uyole hatte ich immer noch nichts gesehen. Natürlich wurden meine Bemühungen zusätzlich durch die Dunkelheit und die Tatsache, dass es in Tansania keine Ortsschilder gibt, zusätzlich erschwert. Ich konnte den Ort nicht finden und wurde immer unruhiger.

Zu Recht, wie sich herausstellen sollte. Lange Zeit hatte ich mich nicht getraut, meine Mitinsassen zu fragen, wo genau wir denn nun eigentlich wären. Als es aber immer später wurde, ich schon vereinzelt Schilder von Hotels und ähnlichem sah, auf denen etwas mit Mbeya stand und schließlich auch noch mit Heike telefoniert hatte, die sich (genau wie ich) fragte, wo ich denn nun war, hatte ich keine Wahl mehr. Ich sprach den Herrn, der vor mir saß, an. Schnell kam heraus, dass ich schon ganz schön in der Tinte saß: Der Bus, in dem ich saß, fuhr zwar durch Mbeya hindurch, hielt aber nicht am Busbahnhof, an dem mich der Taxifahrer abholen sollte, sondern erst in der nächsten Stadt (deren Namen ich in der Aufregung sofort wieder vergessen habe). Ein neuerlicher Anruf versetzte auch Heike in Alarmbereitschaft und ich sprintete nach vorne, um dem Conducter zu sagen, dass ich hier austeigen müsse, irgendwie. Den Conducter habe ich zwar nicht gefunden, dafür aber einen sehr netten Mann, der mir geholfen hat. Er hat mit Heinke übers Telefon gesprochen und mich dann anschließend aus dem Bus begleitet. Zum Glück war ich noch geistesgegenwärtig genug, an all meine Gepäckstücke zu denken, bei denen er mir dann auch half.

So standen wir dann an der Straße, meine gefühlten drei Tonnen Gepäck zu den Füßen. Anstatt in Panik zu verfallen, bleib ich in dieser Situation zum Glück ziemlich ruhig. Ich versuchte, den Taxifahrer zu erreichen, scheiterte aber. Also bat ich den Mann neben mir, uns ein Taxi zu dem Treffpunkt, den Heinke mit ihm ausgemacht hatte, zu organisieren. Es klappte: Das Taxi fuhr uns hin und das zweite Taxi fand uns. Anschließend brachten wir meinen Retter (von dem ich noch nicht mal den Namen weiß) nach Hause und dann mich ins Hostel. Die gesamte Fahrt schaute ich auf die Uhr. Heinke hatte mir nämlich erzählt, dass auf dem Gelände des Karibuni-Centers ab 11 Uhr nachts die Hunde aus dem Zwinger gelassen würden. Danach hätte es schwieriger werden können, noch ein Bett abzukriegen.

Es ging dann aber alles gut. Die Hunde waren noch im Käfig. Und ich kam in mein Zimmer. Erst da, als die ganze Situation eigentlich schon geklärt war, wurde mir klar, was gerade eigentlich passiert war. Ich wäre um ein Haar in einer völlig fremden Stadt gelandet. Nachts. Fast ohne Sprachkenntnisse. Ohne zu wissen, was eigentlich los ist. Ohne jemanden dort zu kennen und ohne Übernachtungsmöglichkeit. Ein leicht beunruhigendes Szenario.

Heute muss ich mich erstmal von diesem Schock erholen. Dafür habe ich jetzt Zeit, aber am Morgen bin ich erstmal etwas hilflos über das Gelände spaziert. Eigentlich hätte ich mich nämlich schon gestern Abend mit Susanna, der Freundin von Heinke, die hier im Center lebt und mich am Mittwoch nach Matema fahren wird, treffen sollen. Als ich aber mitten in der Nacht hier ankam, hat sie verständlicherweise schon geschlafen. Heute Morgen war sie dann ebenfalls nicht hier, weil sie schon vor sieben Uhr zur Arbeit aufbrechen muss. Eigentlich hätte ich aber schon noch einige Fragen an sie gehabt, vor allem, was den genauen Hergang im Immigration Office anging, wo ich heute mein Resident Permit vorzeigen und mein Touristenvisum abschreiben lassen sollte. Zum Glück hat das jetzt auch so geklappt: Durch meine Hilflosigkeit haben mich die Leute gefunden, die mir helfen konnten. Zuerst mal die Person, der Susanna mein Resident Permit (Heinke hatte es ihr für mich mitgegeben) anvertraut hatte. Sie gab es an mich weiter. Dann fand ich den Pastor, der hier arbeitet. Er erklärte sich bereit, mich zur Immigration Behörde zu fahren. Dort ließ er mich dann allerdings allein, womit ich wiederum nicht gerechnet hatte.

Auf neue Abenteuer gefasst, betrat ich das Gebäude und erklärte der Dame am Schalter, was ich wollte. Dafür, dass ich das selber nicht ganz genau wusste, habe ich mich anscheinend ganz gut verständlich machen können, denn nach kaum einer halben Stunde drückte sie mir meinen Pass wieder in die Hand. Darin: ein Stempel, der mir tatsächlich so aussieht, als könnte er genau das sein, was ich gebraucht habe.

Die nächste Herausforderung bestand nun darin, wieder zurück zu kommen. Der Pastor hatte mir zwar gesagt, dass ich ein Taxi nehmen sollte, aber wo genau ich nun ein solches herbekommen sollte, war mir etwas schleierhaft. Ich blieb ruhig und ging erstmal zur Hauptstraße. Und dort habe ich nach einigem Suchen tatsächlich einen Taxistand gefunden. Zuerst war ich etwas skeptisch, ob der Taxifahrer, der mich sofort ansprach, denn auch wirklich wusste, wo er hinsollte. Schließlich wollte ich nicht schon wieder irgendwo, wo ich gar nicht hinwollte! Wie ihr euch aber denken könnt, hat aber alles geklappt, diesmal sogar ohne irgendwelche Probleme. Sonst könnte ich ja jetzt schlecht schon wieder am Computer sitzen und schreiben. Das tut übrigens ziemlich gut. Ich kann so meinen Schock ein bisschen verarbeiten.

Ich denke, dass das jetzt so ungefähr der „Worst Case“, gewesen ist, der einem hier auf Reisen widerfahren kann, sieht man mal von einem Unfall ab. Wenn man es also von der positiven Seite sehen will, dann kann man sagen, dass mir so etwas hier wohl nie wieder passieren wird. In Zukunft werde ich mich immer dreimal erkundigen, on och denn auch wirklich im richtigen Bus sitze. Außerdem werde ich dann auch immer weniger Probleme mit der Sprache haben und genau wissen, wo ich hin muss. Und noch etwas Positives: Jetzt hab ich zumindest mal wieder was zum erzählen. Wäre die Reise ganz ohne Zwischenfälle, und damit langweilig verlaufen, hättet ihr mit Sicherheit wesentlich länger auf den nächsten Blogbeitrag warten müssen!

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Wir beide ruhen uns jetzt erstmal ein bisschen aus. Aber nicht wieder schnarchen, Deltschi!

Viel mehr werde ich glaube ich heute dann aber nicht mehr hecken. Vielleicht nachher noch ein bisschen die Gegend erkunden und Susanna kennenlernen, falls sie Zeit haben sollte. Ich weiß, dass ich das jetzt schon zum achtzigsten Mal schreibe, aber ich kann er wirklich kaum mehr abwarten, endlich nach Matema zu fahren, mich dort einzurichten und endlich anzukommen. Das Schöne ist: Jedes Mal, wenn ich das denke, ist der Moment schon wieder etwas näher gerückt 🙂

 

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Dirck Ackermann sagt:

    Das ist wirklich ein aufregendes Erlebnis. Ich bin sehr dankbar, dass das gut gegangen ist. Mögest du weiterhin behütet sein auf dieser abenteuerlichen Reise

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  2. Greet sagt:

    Oh mein Gott, Carla und ich sitze hier am Flughafen und beschwere mich über die Verspätung meines Fluges, dabei ist deine Reise doch wirklich um einiges spannender verlaufen. Ich bin froh und wirklich xtreeeeem erleichtert, dass es im Endeffekt nochmal gut ausgegangen ist.
    Hab dich sooooooo lieb, ich würde dich ohne bedenken besuchen kommen 💙💙💙💙💙💙💙💙💙💙💙💙💙💙

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    1. carliola sagt:

      Ich kanns kaum erwarten!

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      1. Greet sagt:

        Haha ich nehme meine vorherige Aussage zurück… Nach einer Nacht in Rom und fast 24h (unübertrieben!!!) Verspätung des Fluges, kann ich mich schon fast mit deiner Safari messen. Zum Glück bin ich nicht allein unterwegs wie du.

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