Tulienda Mbeya mara moja 

Bzw.: Wir sind mal schnell nach Mbeya gegangen. Das war so: 

Joa, und dann war das das mit dem regelmäßigen Schreiben auch schon wieder Geschichte. Naja, da bin ich auf jeden Fall mal wieder. 
Dieses Wochenende haben mich ein paar amerikanische Freiwillige aus dem Peace Corps eingeladen, mit ihnen Thanksgiving zu verbringen. Ich konnte meinen Arbeitsplan tatsächlich so umlegen, dass ich  zusagen konnte und habe deshalb beschlossen, mir nach etwa fünf Wochen ausschließlich unter Einheimischen mal wieder ein Wochenende unter Wazungus zu gönnen. Diese ließen sich dann am Donnerstag Nachmittag bei mir in Matema blicken. Unter all den „Bleichgesichtern“ war auch ein bekanntes dabei: Zufällig hatten ein paar andere aus dem Peace Corps einen deutschen Freiwilligen, den ich schon in Morogoro auf dem Sprachkurs kennengelernt hatte, ebenfalls eingeladen. Zusammen waren sie also von Bolongwa, einem Dorf in den Bergen, bis runter nach Matema gewandert. Das hatte sieben Stunden gedauert, was für mich eine wertvolle Warnung ist: Ursprünglich hatte ich mal geplant, diese Strecke mal so als Wochenendausflug in die entgegengesetzte Richtung zu laufen – also bergauf. Dabei muss man auch an die nie enden wollende Hitze hier denken… vielleicht doch nicht die beste Idee. 

Endlich hier angekommen, konnte mein Mitfreiwilliger Hannes seinen Neid kaum verbergen. Gut so! Ich bin ja schließlich auch auf der coolsten Stelle ;). Alle waren so geschafft, dass sie nach einem kurzen Bad im See ins Bett fielen und ich dadurch noch Zeit hatte, meine Freundinnen von nebenan, die Krankenschwesten in Spe zu besuchen.

Am Freitag musste ich am Vormittag arbeiten und am Nachmittag ließ ich es mir trotz Gästen nicht nehmen, an der Chorprobe teilzunehmen. Inzwischen kenne ich immerhin zwei Lieder ganz gut (sogar mit Choreografie!) und bei den anderen mache ich einfach irgendwie mit. Das passt schon! 

Habt ihr sowas schonmal gesehen? PIZZA! Pizza mit KÄSE!
Danach konnte ich dann vollends ins „Wazungu-Wochenende“ starten: Wir sind am Abend erstmal in das, was hier in Matema einem Restaurant am nächsten kommt, gegangen. Dort habe ich doch tatsächlich Pizza bekommen – wenn auch nach eineinhalb Stunden Wartezeit. Die haben wir totgeschlagen, indem wir uns über die deutsche bzw. amerikanische Kultur lustig gemacht haben und viele Erfahrungen über das Leben in Tansania ausgetauscht haben. Dazu konnten die Amerikaner wesentlich mehr beisteuern als Hannes und ich – allerdings leben sie ja auch schon zehn Monate oder sogar noch länger hier. 

Das Konzept „Peace Corps“ hat mich schon ganz schön beeindruckt: Man bleibt nicht nur für ein, sondern gleich für zwei Jahre hier und hat dann auch noch die Möglichkeit, seinen Einsatz zu verlängern. Als ich aus Deutschland aufgebrochen bin, habe ich gedacht: Wow, ein Jahr! Hier wird sich einfach so viel ohne mich weiterentwickeln – meine Familie, meine Freunde, aber auch die Situation im Allgemeinen. Und das stimmt: Es passiert so viel, schon jetzt! 

Auf der anderen Seite: Die Zeit rast! (Das sieht man schon daran, wie lange ich schon nichts mehr hier reingeschrieben habe). Nicht mehr lange, und mein vierter Monat in Tansania wird anbrechen. Ehe ich mich umdrehe, ist es auch schon Weihnachten, dann wird das neue Jahr auf Sansibar gefeiert, dann folgen im Januar und Februar verschiedene Seminare der Entsendungsorganisationen – und dann ist die Hälfte des Abenteuers auch schon wieder vorbei. Natürlich ist mir klar, dass es nicht ganz so schnell gehen wird, wie es mir jetzt grade vielleicht vorkommt, aber wenn man für zwei Jahre oder vielleicht sogar noch mehr bleibt… Man gewöhnt sich bestimmt schnell ab, sich so an den Monaten entlang zu hangeln. Das ist schon nochmal ne andere Sache, die ziemlich viel Mut erfordert. Also : Hongera (=Bravo), guys! 

Nach dem Essen ging es dann relativ schnell ins Bett – aus gutem Grund: Am nächsten Tag wollten wir ja schon wieder um vier Uhr morgens aufbrechen. „Wollen“ ist dabei natürlich so zu verstehen, dass wir aus Matema rauswollten und deshalb gezwungen waren, den Bus um vier zu nehmen. Zwei von uns haben dann aber doch verschlafen und so brachen wir mit leichter Verspätung und nur noch zu fünft (drei Peace Corpsler, Hannes und ich) auf. Die Fahrt verlief für tansanische Verhältnisse ziemlich reibungslos: Keine Pannen, wenig Verspätung. Allerdings war an Schlaf nachholen kaum zu denken, weil die ganze Zeit der blöde Fernseher im Bus irgendwelche Musikvideos abspielte – und zwar die selben fünf in Dauerschleife… Ahhhhrg!

Für eins ist dieses frühe Aufstehen immerhin gut: Der Sonnenaufgang sieht ganz nett aus.

Die Fahrt dauerte etwa 6 Stunden und so kamen wir gegen 10 in Mbeya an. Große Stadt, großer Busbahnhof. Das hätte natürlich zur Folge, dass wir, kaum ausgestiegen, schon von einer riesigen Menschentraube umringt waren, die uns irgendwas verkaufen oder uns in verschiedene Busse zerren wollten. Schließlich schafften wir es dann aber doch zum richtigen DallaDalla (darin hatte ich seit Morogoro nicht mehr gesessen!) und anschließend auch zu einem günstigen Hotel. Dort gab es sogar eine Dusche und einen Fernseher – Luxusartikel, die ich seit zwei Monaten nicht mehr benutzt hatte (sieht man mal von der Beschallung im Bus ab). Also hab ich auch gar nicht wieder damit angefangen. Wieso auch? Zuhause wartet der See!

Dann machten wir uns auf, um sie Stadt zu erkunden. Zumindest galt das für mich und Hannes, während die Amerikaner ja schon etwas mehr Erfahrung aufweisen und konnten uns deshalb zielstrebig zu einem Café führten, das doch tatsächlich Burger, Wraps, Kaffee, Kuchen, Millshakes und ähnliche Köstlichkeiten auf der Speisekarte hatte! Hier in Matema vermisse ich eigentlich nichts (okay, vielleicht manchmal meine Karotten), aber als ich nun vor dieser Auswahl stand, war ich schon platt. Im Café stießen dann noch andere Freiwillige des Peace Corps zu uns, und es wurde eine laute, fröhliche Runde. Ich vertilgte schon mal so einiges –  diese einmalige Gelegenheit musste schließlich genutzt werden… Milkshake! Leider hatte mir keiner gesagt, dass es sich hierbei nur um einen kleinen Zwischenstopp handelte. Das richtige Festmahl sollte erst noch kommen.

So hatte ich mich also schon ordentlich mit Milkshake und Pancake vollgestopft, als es weiterging – und zwar zum nächsten Hotel, in dem die Feier stattfinden sollte. Dabei habe ich vor allem eines gemerkt: Es gibt unglaublich viele Freiwillige und andere Wazungu in Mbeya! Etwa 200 von uns fanden sich nach und nach dort ein, die meisten aus Amerika, aber auch aus Europa. Ich lernte eine Schweizerin kennen, die nun dieses Wochenende in Matema besuchen kommt – und damit auch mich. 

Das Essen war enorm. Leider habe ich vergessen, ein paar Fotos zu machen, aber vielleicht kann ich eurer Vorstellungskraft etwas auf die Sprünge helfen, wenn ich erzähle, dass es ein ganzes Schwein (nein kein Ferkel, ein SCHWEIN), Auflauf, Fisch, Brot, Huhn, Reis und Bohnen (in Tansania einfach immer ein Muss), Pfannkuchen, etwa 20 verschiedene Kuchen, Früchte und noch vieles mehr gab. Als ich aufhörte, zu essen, hätte ich platzen können. 

Dazu blieb allerdings keine Zeit mehr, denn schließlich wollten Hannes und ich noch du bisschen die Stadt unsicher machen. Wir verabschiedeten uns also einstweilen von den anderen und machten uns auf zu einem Ort, der uns mit dem Wort „Kitenge Alley“ beschrieben worden war. Das sagt ja eigentlich schon alles. Die Straße war mega voll – von Menschen, aber eben auch von Stoffen. Ein Geschäft reihte sich an das nächste. Natürlich wurde ich fündig. Sogar Hannes kaufte sich einen Stoff – allerdings, um damit seine Fenster zuzuhängen. Dreimal dürft ihr raten, was ich mit meinem vorhabe. 

Anschließend suchten wir mal wieder den „Ndyio Shop“ auf – wie bei jedem meiner bisher drei Besuche in Mbeya. Hannes war begeistert. Ich auch, vor allem, weil ich ein neues Aufladekabel für mein Handy fand – das alte hatte den Geist aufgegeben und ich Idiotin hatte doch an alles mögliche gedacht (Luftmatratze und Seifenblasen zum Beispiel), aber nicht daran, ein Ersatzkabel einzupacken. Naja, hat sich ja jetzt geklärt 🙂

Wie wir da so durch Mbeya spazierten, habe ich gemerkt, dass ich den den letzen zwei Monaten schon ganz schön viel gelernt habe. Ich habe euch ja von der Situation erzählt, als ich zum ersten Mal in Mbeya war (nach meinem Abendteuer mit dem Bus) und ganz stolz war, dass ich auf die verschiedenen Grüße auf Swahili gut reagieren konnte. Inzwischen kommen schon kleine Gespräche zustande und ich kann auf jeden Fall immer klar machen, wenn ich etwas brauche oder will – manchmal braucht es ein paar Versuche, aber es klappt. Das liegt daran, dass ich in Matema einfach dazu gezwungen bin, Swahili zu sprechen. Ich will die Leute hier kennenlernen und die haben als Alternative zur Verständigung meist nur Kinyakyusa anzubieten.

Nach unserem Abenteuertrip, auf dem wir uns echt erstaunlich gut zurecht gefunden haben, sind wir erstmal schnell zurück ins Hotel, um unsere neu erworbenen Schätze abzuladen. Dann haben wir festgestellt, dass wir noch gar nicht müde waren. Also ging es nochmal los, diesmal mit noch weniger Plan als zuvor. Trotzdem sind wir angekommen – und zwar wieder bei dem Hotel, in dem die Thanksgiving-Party stattgefunden hatte. Die meinten waren schon gegangen, aber ein kleiner, harter Kern noch nicht. Mit ihm zusammen ließen wir den Abend ausklingen und Hannes und ich kamen noch irgendwie dazu, den anderen die deutsche Nationalhymne vorzusingen – fragt lieber nicht! 

Alles in allem ein Tag mit vollen Erfolgen und voller Essen. 

Mit dem ging es dann bei mir am Sonntag auch gleich weiter: Während Hannes schon um 6 Uhr morgens rausmusste, um den Bus zurück nicht zu verpassen, traf ich mich zu gemäßigteren Zeiten mit Megan und Amy. Megan ist eine Peace Corps Freiwillige, die sehr nahe bei Matema, in einem Dorf namens Mababu liegt. Zusammen mit ihr und Amy, die sie für ein paar Tage besuchen würde, wollte ich den Rückweg nach Matema antreten. Vorher aber trafen wir uns erstmal zum Frühstück (Chapati, Ei, Joghurt und geiler Fruchtsaft) und gingen danach quasi direkt zum Kaffeetrinken über. Besonders dieses Café hat mich schwer beeindruckt: Es erinnerte sehr an Starbucks. Und das mitten in Mbeya!!! Ich fühlte mich, als wäre ich wieder in Europa oder halt Amerika, aber auf keinen Fall konnte sich dieser Platz in nicht Tansania befinden. Die Erklärung: Sogenannte „Exparts“, also Wazungu, die für eine lange Zeit in Tansania leben und sich ein Stück von ihrer Kultur auch hier behalten wollen, haben dieses Café aufgebaut. Jetzt verkauft es so geile Sachen wie Karotten-  und Käsekuchen, Milchkaffee, Smoothies, Frappés und andere Spezialitäten. 

Dann ging es endlich zurück nach Hause. Die Fahrt war spannend und der Bus war voll (siehe Titelbild). Also alles wie immer, aber es gab diesmal glücklicherweise keine Beschallung durch etwaige Fernseher. Auf der Staße erstanden wir stolz drei Ananas für 2000 Schilling (= 80 ct), allerdings wurde ich sehr enttäuscht, als der Platz, an dem normalerweise Säcke von Karotten zu Spottpreisen verkauft werden, dieses Mal leer war. Naja, ich werde die Strecke in diesem Jahr schon noch das eine oder andere Mal fahren!

In Matema angekommen ist etwas komischen und gleichzeitig cooles passiert: Ich stieg aus dem (natürlich bis zum Brechen vollen Wagen) und stand mitten auf dem Markt. Nur zwei Schritte später wurde ich von der ersten Person angesprochen: „Carla, umesafiri? Umfika salama? Tunafurahi kukuona tena!“ = Carla, bist du verreist gewesen? Bist du gut angekommen? Wir freuen uns, dich wieder zu sehen! Ähnliche Grüße folgten auf Schritt und Tritt und den Höhepunkt bildete die Ankunft an meinem Haus. Ich war nämlich schon vor Wochen zu einer Beerdigung eingeladen worden, hatte aber aus bekannten Gründen absagen müssen. Danach hatte ich nicht mehr viel daran gedacht und war deshalb total überrascht, als mir der Gastgeber auf halbem Weg entgegenkam. „Umekuja!“ – Du bist gekommen! Ehe ich mich’s versah, war ich schon einmal über die Tanzfläche gezogen und zahlreichen Leuten vorgestellt worden, dann saß ich auch schon bei einem Arbeitskollegen und mir wurde eine Soda in die Hand gedrückt, kaum hatte ich mich ein bisschen mit ihm unterhalten (auf Swahili natürlich), da wurde ich auch schon wieder wo anders gebraucht: Ich sollte noch ein paar Fotos von Freunden zu machen. Und so ging das weiter. Der Abend war toll. Und das coolste: Ich hatte echt ein bisschen das Gefühl, wieder zu Hause angekommen zu sein. Ist das nicht super? Nach nur zwei Monaten! 

Ich will jetzt nicht leugnen, dass das schon ein ausgesprochen guter Tag war und es auch manche gibt, an denen ich mich noch nicht so zugehörig fühle. Das wird auch sicher noch ein Weilchen so bleiben, grade, weil zum einen grade relativ viele Weiße zu Besuch kommen, was zur Folge hat, dass ich mich an einigen Tagen mehr mit denen als mit dem Menschen hier beschäftige. Allerdings achte ich auch darauf, nicht völlig zum „Touri“ zu mutieren. 

Hier hat mir Eliza grade mal die Haare gemacht. Nimependeza, sindyio? (Ich bin so schön, nicht wahr?)

Zum anderen werden meine besten Freundinnen, die auszubildenden Krankenschwestern, in zwei Wochen ihren Abschied hier feiern. Klar, dass wird das eine tolle Sause geben – zu diesem Zweck werde ich dann auch den Ofen meiner Mentoren das erste Mal okkupieren… schonmal jetzt ein Danke an Heinke und Friedhelm! Aber dann sind sie halt weg. Mal schauen, wie sich das Ganze hier dann weiter entwickelt. Allerdings habe ich auch schon andere nette Leute hier kennengelernt und bin deshalb guter Hoffnung. Außerdem ist dann erstmal Weihnachten, das ich mit anderen Freiwilligen zuerst in Matamba, einem kleinen Dorf in den Bergen, und dann nochmal in Dar es Salaam feiern werde, bevor es dann fürs neue Jahr nach Sansibar geht. 

Draußen hängen die Mangos an den Bäumen, drinnen der Adventskalender – so muss das!
Ihr seht also: Es ist viel los – mehr, als ich in diesem Blog festhalten kann. Ich hoffe, ihr hättet trotzdem Spaß, mal wieder ein bisschen was von mir zu lesen. Genießt eure Adventszeit! Auch wenn ich euch versichern kann, dass diese noch um einiges schöner wäre, wenn ihr dazu statt den langweiligen Mandarinen die Mangos genießen könntet, die ich hier grade kiloweise verspeise – sorry, aber dieser kleine Seitenhieb musste jetzt nochmal sein 😉

Ninawapendeni wote! (=Ich hab euch alle lieb!) 

Schöne Grüße vom Nyassa See. In diesen Booten zu fahren, ist allerdings vielleicht romantisch, aber nicht allzu bequem. Immerhin sind wir nicht umgekippt. Das ist doch schon mal was!

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Gisela Sauter-Ackermann sagt:

    Tolles Oberteil (oder Kleid?), das Du da im Boot trägst!

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  2. Dirck Ackermann sagt:

    Wieder ein wunderbarer Blog!

    Gefällt mir

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