Krismasi 

Was das bedeutet, muss ich euch ja wohl nicht übersetzen.

So, da melde ich mich mal wieder. Ich hoffe, ihr habt die Feiertage gut überstanden! Ich schon. Mein erstes Weihnachten ohne Familie! Im Vorhinein hatte ich ein bisschen Angst davor, wie das nun werden sollte. Und es war auch echt ganz anders als sonst. Und schön. Aber jetzt erstmal der Reihe nach:Am Abend des 21.12., nachdem die letzten Nursing-Studentinnen abgefahren waren, hatte ich vor, das Haus ein bisschen aufzuräumen. Immerhin hatte ich die letzen Nächte nicht hier geschlafen, sondern war eigentlich nur zum Umziehen oder Backen ab und zu mal vorbeigekommen. Dementsprechend sah es auch bei mir aus: Klamotten, unabgewaschenes Geschirr… und morgen sollte es auf große Reise gehen. 

Mein guter Vorsatz hielt in etwa so eine halbe Stunde, bis ich nämlich beim ordnen meines Kleiderschrankes feststellte, dass ich noch einen umgenähten Kitenge besaß. Den hatte ich schon vor mehr als einem Monat gekauft, ihn dann aber ein wenig vergessen. Die perfekte Ausrede, um sich vor dem Aufräumen zu drücken! Ich brachte den Kitenge rüber zu Neema, meiner Schneiderin und traf dort, wie so oft, eine kleine Gruppe von Frauen an, die den neusten Dorfklatsch austauschten. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen! So setzte ich mich dazu und versuchte, das Erzählte zu verstehen und nachzuvollziehen. Gar nicht so einfach, denn zum einen kommen die Frauen bei solchen Themen ganz schön in Fahrt und reden so richtig schnell, und zum anderen sind mir natürlich viele Vokabeln immer noch nicht so ganz geläufig: Grade, wenn gelästert wird, komme ich da noch nicht immer so ganz mit. Ich gebe mir aber Mühe! Schließlich ist es wichtig zu wissen, wer wann eine enge Hose anhatte, wer mit was wohl Geld dazuverdient und ähnliches. 

Natürlich gibt es aber auch andere Themen: Wenn ich dabei bin, werde ich häufig von Neema gefragt: „Carla, nimesikia kwamba kwenu kuna… Ni kweli? “ Also: „Carla, ich habe gehört dass es bei euch (also in Deutschland) … gibt. Ist das wahr?“ Ich freue mich immer, wenn ich auf solche oder andere Weise in das Gespräch mit einbezogen werde und gebe mir alle Mühe, auch komplizierte Zusammenhänge ( zum Beispiel „Hitler“, „Hotpants“ oder „Männer und Frauen“) verständlich zu erklären. Das trägt natürlich wiederum zur Erweiterung meines Wortschatzes bei (was heißt eigentlich „Gaßdusche“, „Emanzipation“ oder „Scheidung“?) 

Über solchen und ähnlichen Themen vergeht die Zeit bei Neema immer schnell. So auch an diesem Tag: Als ich wieder auf die Uhr schaute, war es schon halb acht und ich hatte weder gepackt noch gekocht. Jetzt also: ChapChap (Swahili für „Zack, zack“/ ran an den Speck) ! Als erstes ein kleiner Abstecher ins Dorf. Dort verwirrte ich mal wieder die Leute aus dem „Reis-und-Bohnen-Laden“, da ich mit einer Schüssel kam und ausschließlich Bohnen verlangte. Normalerweise kommt man weder mit Schüssel, noch isst man nur Bohnen: Man setzt sich da hin und bekommt einen Teller mit ungeheuer viel Reis, ein paar Bohnen und einem Klacks Mboga, also einer Art zusammengekochten Grünzeug (sehr lecker) serviert. Ich hatte aber eben andere Pläne. Diese Bohnen sind auch pur einfach Mega lecker! Nach ein paar verwirrten Blicken wurde mir meine Schüssel dann aber auch aufgefüllt. Auf dem Weg noch schnell eine Mango erstanden – für das Abendessen war gesorgt! 

Jetzt kam allerdings der schwierige Teil: Aufräumaktion beenden und Packen. Bei letzterem habe ich dann auch eine ziemlich bunte Sammlung an Klamotten in den Rucksack geschmissen – und die Geschenke für die anderen Volontäre. Diese nahmen übrigens mindestens die Hälfte des Platzes weg, aber dazu später mehr. Nachdem ich dann etwa um halb 10 Uhr fertig war, wurde noch schnell gegessen und dann holte ich mir meine verdienten viereinhalb Stunden Schlaf.

Mitten in der Nacht stand ich auf und war erstaunlich wach. Schnell angezogen, Zähne geputzt, den Abwasch vom letzen Abend gemacht und ein paar vergessene Sachen wieder eingesteckt – z. B. mal wieder den Impfpass – und auf geht’s! 

Selbst, wenn man als völlig Fremder in Matema den Bus in der Früh nehmen möchte und zusätzlich noch vergessen hat, sich einen Wecker zu stellen, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass man trotzdem pünktlich an Ort und Stelle ist. Das liegt daran, dass der Fahrer schon ab 3 Uhr auf die Hupe drückt, was das Zeug hält. In den ersten paar Wochen war ich deswegen jede Nacht um diese Zeit wach und auch jetzt kommt das schon öfter noch vor. Außerdem ist der sogenannte „Stendi“ einfach die Straße, die hinter dem Markt beginnt – wirklich nicht zu verfehlen, gerade auch, weil der Bus zusätzlich mit bunten Neonleuchten ausgestattet ist, sodass er aussieht wie ein Weihnachtsbaum auf Rädern. Ganz passend also zum Zweck meiner Reise 😉

Die nächsten Stunden lassen sich schnell beschreiben: Einsteigen, das Gepäck über mir verstaut, einschlafen, fast von dem Gepäck erschlagen werden als es auf der Polterpiste wieder runterkommt, einschlafen, in Mbeya ankommen, schnell in den nächsten Bus wanken und auf dem Weg nach Chimala für 1000 Schilling (40ct) 10 „Maembe“ , also Mangos erstehen und Mais erstehen. Das Frühstück ist gesichert. 

In Chimala angekommen passierte erst einmal ein kleines Unglück: Das ich an der ersten von zwei Stationen rausmusste musste, merkte ich erst, als ich an der zweiten angekommen war. Vor drei Monaten wäre ich in dieser Situation ganz schön nervös geworden. Inzwischen aber: „Nimezoea!“ (Ich habe mich dran gewöhnt). Einfach mit dem Piki (für die, die das vergessen haben: Das sind die Motorradtaxis) wieder zurück zum ersten Stendi (=Bushaltestelle), überhaupt kein Problem! Naja, oder vielleicht doch ein ganz kleines: Ich trug an diesem Tag ein langes, ziemlich enges Kleid… Sich damit rittlings auf ein Piki setzen entpuppte sich als Schwierigkeit. So zog ich das Ding bis über die Knie hoch. Dafür erntete ich zwar ein paar erstaunte Blicke, aber immerhin kam ich dann doch am richtigen Stendi an.

Dort musste ich nun ein wenig auf Victoria und Fritzi warten. Die Zeit vertrieb ich mir damit, Wasser zu kaufen, von Leuten bestaunt zu werden und mich mit den einen oder anderen sogar zu unterhalten. Es ist immer wieder eine große Befriedigung für mich, wenn ich den Menschen hier auf ihre Begrüßungen antworten kann und sich vielleicht sogar ein kurzes Gespräch anschließt. Viele sind überrascht, dass ich sie verstehen kann – zumindest ein bisschen. Dann freuen sie sich und reden oft so schnell auf mich ein, dass es mit dem Verstehen dann auch vorbei ist. Naja, aber immerhin! 

Fritzi und Victoria kamen dann mit dem PikiPiki an. Zu Fritzis Einsatzstelle kommt man nämlich nur damit, einen Bus gibt es nicht. Da ist mein Weg nach Matema ja gradezu luxuriös! Nach der Begrüßung ging es erstmal shoppen: Wir mussten nämlich noch eine Matratze einkaufen, wenn nicht einer von uns in Magoye auf dem Boden schlafen sollte. Magoye ist das Dorf in den Bergen, in dem Victoria (oder Tori) lebt und wo wir Weihnachten verbringen wollten. Die Auswahl an Matratzen war nicht allzu groß und wir hatten absolut keine Ahnung, was man für so ein Stück Schaumstoff hier zahlen muss, aber wir haben uns dann einfach für die günstigste mit der annehmbarsten Farbe entschieden. Unser Gepäck bestand nun aus drei großen und drei kleinen Rucksäcken, einem Beutel voll mit Mangos und einer Matratze. Nicht ganz wenig also. So freuten wir uns, dass wenig später der Bus am Stendi eintraf. Leider mussten wir feststellen, dass dieser bereits ziemlich gut gefüllt war. So wurden wir und die Matratze schon ziemlich misstrauisch beäugt. Daraufhin beschlossen wir, doch lieber den nächsten Bus zwei Stunden später zu nehmen. Wir setzten uns in eine Garküche und ich nahm meine geliebten Bohnen ein. Lecker! 

Als der nächste Bus dann aber ankam, gab es viele lange Gesichter: Der war nämlich noch voller als der letze. Das Problem: Nach diesem würde kein nächster Bus kommen, um uns den Berg hinauf zu bringen. Letzte Chance also. So blieben wir dann auch erstmal entschlossen, wenn auch sicher mit etwas besorgten Gesichtern, an Ort und Stelle stehen. Technisch gesehen war es nicht möglich, dass wir in diesen Bus passen würden. Aber wen interessiert denn bitte, was technisch möglich ist? Zuerst fanden wir uns – zwar in unmöglichen Körperhaltungen, aber immerhin – im Bus wieder. Das nächste Problem: Unser sämtliches Gepäck befand sich noch draußen. „Sämtlich“ bedeutet in diesem Fall auch zum Beispiel mein Handgepäck mit Kamera, Computer, EC-Karte und Pass. Wo das ganze Zeug dann letztendlich gelandet ist? Auf dem Dach des Busses. Und zwar wurde es dort hinaufgeschmissen. Zum Glück kam als einziger Gegenstand nur der Beutel mit Mangos nicht richtig oben an und landete wieder auf dem Boden. Da hatte ich mir schon Schlimmeres vorgestellt! Auch unsere Matratze wurde da oben festgezurrt, worüber sich ein paar Herren ganz besonders freuten: Jetzt hatten sie zumindest eine weiche Unterlage für ihre Reise auf dem Dach. Zwischenzeitlich überlegten Tori und ich sogar, ob wir ihnen da oben nicht Gesellschaft leisten sollten – immerhin gab es dort frische Luft und eine Sitzmöglichkeit! 

Da war dann aber doch zu feige waren, ging es für zweieinhalb Stunden im Inneren des Busses den steilen Weg hinauf. Die lustigste Strecke war diejenige, die auf das Schild „Barabara imefungwa“, also „Die Straße wurde geschlossen“ folgte. Schon beim Anblick des Schildes musste ich lachen: Der Weg, den wir dort hochzuckelten, hatte noch an keiner Stelle die Bezeichnung „Straße“ verdient. Nun ging es aber eben auch von diesem ab und wir fuhren auf einer noch steileren, engeren und weniger straßenähnlichen Strecke weiter. Mehrere Male musste der Bus – übrigens ein sehr vertrauenserweckendes etwa 30 Jahre altes Modell aus Japan – stehen bleiben, damit man ein paar allzu große Felsbrocken aus dem Weg räumen konnte. Laut Tori, die ja in Magoye lebt und somit schon ein bisschen Erfahrung mit der Fahrt nach oben hat, war es dieses Mal auch echt ein bisschen extrem. Wir haben es dann aber doch geschafft, auch wenn das Ganze etwas länger gedauert hat als erwartet. Bei Tori angekommen hieß es dann nur noch: Dusche, umziehen und essen. Stichwort Essen: Tori hatte doch tatsächlich Käse in Mbeya gekauft! Es war ein regelrechtes Festmahl, gefolgt von einer wohlverdienten Portion Schlaf.

Am nächsten Morgen wachte ich auf und merkte sofort, dass etwas anders war: Keine krähenden Hühner, keine vor dem Haus laut fegenden Menschen, keine laute Musik vom Markt, aber auch das Sonnenlicht sah irgendwie anders aus. Als ich auf die Uhr schaute, war ich platt: 10:30 Uhr! Ich hatte doch tatsächlich ausgeschlafen… das erste Mal seit bestimmt 3 Monaten! Fröhlich standen wir auf und machten uns erst einmal daran, ordentlich zu frühstücken. Danach ging es auf große Wanderung: Wie bereits erwähnt wohnt Tori in Magoye. Das ist echt ein sehr kleines Dorf. Kleiner als Matema. Das nächstgrößere heißt Matamba und liegt zu Fuß etwa eine halbe Stunde entfernt. Dorthin wollten wir also, um Weihnachtseinkäufe zu erledigen. An dieser Stelle mal: Respekt vor Tori! Ihre Arbeitsstelle liegt nämlich in Matamba und so muss sie die Strecke jeden Morgen zur Arbeit gehen. Das ist schon nicht so ganz ohne!

In Matamba haben wir dann alles nötige besorgt (das dachten wir zumindest) und haben auf dem Weg sogar noch ein paar Tannenzapfen gefunden und für die Weihnachtsdekoration eingesammelt. Wieder zuhause angekommen begann die Aktion, die einer der Gründe dafür war, dass wir Magoye zu unserem „Feiertagsstandort“ gewählt hatten. Tori hat einen BACKOFEN! Also… naja, zumindest die Andeutung eines Backofens. Eigentlich sieht er wie eine etwas aus der Form geratene Mikrowelle aus. Aber – und das ist das Entscheidende: Inafanya kazi (=er macht Arbeit/ er funktioniert)! An diesem Abend gab es doch tatsächlich Pizza zu essen (mit KÄSE!) und am nächsten Morgen könnten wir selbstgemachtes Brot frühstücken. Das wollten wir dann auf unsere erste Safari mitnehmen.

Wie schon erwähnt: PIZZA!

Von dieser Safari hatte ich erst am diesem Tag erfahren, obwohl sie schon am nächsten stattfinden sollte. Anscheinend hatte Friederike mir zwar schonmal davon geschrieben, aber entweder hatte ich diese Information gar nicht empfangen, überlesen oder schon wieder verdrängt. Wie auch immer, diese Aktion passte perfekt zum Rest des Urlaubs: Nichts planen, aber dann einfach mal passieren lassen und Spaß haben. Auch der Bischof, den Tori schon einen Monat zuvor darüber informiert hatte, war recht überrascht, als sie ihn daran erinnerte, dass wir am nächsten Tag das Diözesenauto brauchen würden. 

Am Ende hat dann aber doch alles geklappt: Am nächsten Morgen saßen wir drei zusammen mit Joffrey (ob der so geschrieben wird, sei jetzt allerdings mal so dahingestellt), dem Diözesenfahrer im Auto. Ohne Plan, wo und wie genau es denn jetzt überhaupt hingehen sollte. Naja, immerhin den Namen des Nationalparks kannten wir: Kitulo. Wir waren dann aber noch etwas überrascht, das wir erst einmal in Matamba Station machten. Dort befand sich das Office, bei dem wir den Eintritt bezahlen sollten, wie wir erfuhren. Groß war allerdings das Erstaunen, als uns verkündet wurde, dass wir nicht mit Scheinen, sondern nur mit Karte zahlen könnten. Noch größer war die Anstrengung, daraufhin einen Lachanfall zurückzuhalten: Noch nie, also wirklich noch NIEMALS war es irgendwo möglich gewesen, mit Karte zu zahlen, geschweige denn, dass es die einzige Möglichkeit gewesen wäre. Damit hatte ja nun wirklich keiner rechnen können. Wir einigten uns schließlich darauf, das Geld erstmal in bar dort zu deponieren und nach der Safari noch einmal mit Karte zurückzukehren, um alles zu begradigen. 

Das Warten hat sich dann aber doch gelohnt.

Eine Stunde später als geplant konnte die eigentliche Reise (was „Safari“ ja wörtlich bedeutet) dann richtig losgehen. Joffrey war uns ein guter Fahrer und Fremdenführer. Er hat an vielen schönen Stellen angehalten und wir haben Fotos geschossen, was das Zeug hält. Damit auch ein bisschen was für die Beinmuskeln getan wird, sind wir noch zu einem Wasserfall gewandert. Beinahe in jeder Region, die ich bis jetzt in Tansania besucht habe, hat man Berge vor der Haustür. Hier war das nicht anders. So haben die Beine, die schon von der Klettertour nach Matamba nicht so ganz begeistert gewesen waren, noch etwas mehr „mazoezi“ (Übungen) abbekommen. Kann ihnen gar nicht schaden! 

Nach dem harten Abstieg (ok, hat höchstens 5 Minuten gedauert): Am Wasserfall

Der Kitulo Nationalpark ist nicht die Serengeti: Löwen, Giraffen und Elephanten gibt es hier nicht. Dafür aber wunderschöne Blumen und große Vögel, von denen wir zumindest einen aus der Ferne beobachten konnten. Als wir genug von der wirklich beeindruckenden Natur hatten, zeigte uns Joffrey noch ein Wunderwerk der Technik: Nicht weit von der Grenze des Kitulo fanden wir einen Bauernhof mit (und jetzt kommt es:) einer MELKMASCHINE! Ich fühlte mich wirklich kurz auf die Alm im Allgäu versetzt: Um mich herum Berge, ein kleiner Stall, Menschen in ziemlich schmutziger Kleidung und Gummistiefeln. Der einzige Unterschied: Die Menschen hatten eine andere Farbe und Sprache – wobei ich den Allgäuer Dialekt in etwa so gut verstehe wie Swahili. Die Kühe unterschieden sich übrigens weder in Sprache noch Farbe sehr von denen, die mir in Deutschland über den Weg gelaufen sind. 

Während Joffrey sehr an der Melkmaschine interessiert war und viele Fragen zu ihrer Funktionsweise stellte, hatten wir drei Wazungu eigentlich nur eine einzige: Kann man das Produkt (sprich: die Milch) denn auch hier kaufen? Wir konnten. Begeistert stiegen wir zurück ins Auto. Wir hatten doch tatsächlich MAZIWA (also Milch) bekommen! Was man damit alles machen kann! Solche Spezialitäten wie Müsli zum Beispiel, oder sogar Kakao! 

Willkommen auf dem neuen Windows-Bildschirmschoner

Nach einem kurzen Picknick kehrten wir glücklich mit unserer Milch nach Hause zurück. Während die nun aber gemütlich in der Küche stehen bleiben durfte, mussten wir uns gleich wieder auf den Weg machen – diesmal mit unseren EC-Karten. Auf dem Rückweg kauften wir dann auch noch all das ein, was wir bei unserer Wanderung nach Matamba vergessen hatten (war auch echt nicht viel *hüstel*). 

Mit dem neu gekauften Mehl waren wir nun in der Lage, den „Backwahn“ fortzusetzen. Oder das dachten wir zumindest, bis wir feststellten, dass sich der Strom verabschiedet hatte. Nun ja, dann sollte es heute wohl nicht sein. Wir verbrachten den Nachmittag faulenzend. So etwas habe ich in Matema noch nie gemacht – immer habe ich das Gefühl, dass ich rausgehen und mich mit Leuten beschäftigen sollte. Das ist auch gut so. Aber nun waren ja Ferien und überhaupt – das hat auch mal wieder richtig gut getan. 

Als der Strom am Abend immer noch nicht zurück war, beschlossen wir, es ihm zu zeigen und trotzdem zu backen – Pfannkuchen auf dem Gaßherd. In weiser Voraussicht hatte ich meine Kopftaschenlampe mitgenommen und so standen wir im Halbdunkeln, rührten den Teig zusammen, freuten uns tierisch, dass wir dafür Milch benutzen konnten und beschlossen erst, als wir den ersten Teig fertig hatten, dass wir auch noch Pancakes essen wollten. So hatten wir am Ende viel zu viele Pfannkuchen, aber immerhin auch genug zum Lachen. Mitten in diesen ganzen Vorbereitungen ging dann auf einmal das Licht an – Umeme umerudi! (=Der Strom ist zurückgekehrt!). Genau zur richtigen Zeit: Nun konnten wir essen, ohne uns um die Taschenlampen streiten zu müssen. Es war ein lustiger Abend, auch wenn man nun nicht wirklich bemerken konnte, dass es sich bei ihm um den letzen vor Weihnachten handelte. 

Das Weihnachtsgefühl stellte sich auch am nächsten Morgen eher zögerlich ein. Aber immerhin hatten wir ein grandioses Frühstück: MÜSLI! Verfeinert mit ein paar Sorten von Früchten (bloß Bananen, Äpfel, Mango, Ananas und Pfirsiche). Man muss es ja auch nicht immer gleich übertreiben. Nachdem wir gut gesättigt und mit Vitaminen abgefüllt waren, ging es endlich ans Plätzchen backen. In Deutschland habe ich in der Adventszeit des letzten Jahres vorsichtig geschätzt zwölf unterschiedliche Sorten von Plätzchen gebacken und bestimmt die Hälfte davon mehr als einmal. An diesem Tag brachten wir es es immerhin auf vier Sorten und legten noch ein Brot obendrauf. Allerdings muss man bei diesem Vergleich auch beachten, dass ich ja sonst immer alleine gebacken habe. Nun waren wir zu dritt. Fritzi, Tori und ich bildeten ein echt gutes Team. Zusammen brachten wir den Mikrowellen-Ofen an sein absolutes Leistungslimit. Und die Plätzchen waren echt gut! Den ganzen Tag haben wir gebacken. Das sich die Weihnachtsstimmung dadurch vergrößert hat, kann ich zumindest für mich nicht sagen. Das heißt aber nicht, dass es mir schlecht ging oder das es ein doofer Tag war. Nur anders eben. Außerdem wartete ich immer noch auf den „richtigen“ Heiligabend, also den Gang zur Kirche, zurückkommen, essen und vielleicht sogar ein paar Lieder singen, während es draußen dunkel ist. 

Bei dem Anblick war dann schon ein bisschen Weihnachten

Um kurz vor 19:00 Uhr brachen wir also zur Kirche auf. Wir hatten uns sogar extra schick gemacht (siehe Foto). Als wir aber ankamen, staunten wir nicht schlecht: Die Tür war schon geschlossen und im Inneren hörte man Leute singen. Verwundert traten wir ein. Hatte der Gottesdienst etwa schon ein bisschen früher angefangen? Wie sich herausstellte, war es wohl nicht nur „ein bisschen“: Nachdem wir fünf Minuten gesessen hatten, standen alle anderen auf uns zogen aus. Spätestens jetzt war klar, dass der Gottesdienst nicht um 19:00 Uhr angefangen hatte. Zuerst dachten wir, dass es mal wieder an der tansanischen Zeit läge: Die Menschen hier drehen die Uhr nämlich auf den Kopf und lesen sie auch so. So ist 12 Uhr „saa 6“, 3 Uhr „saa 9“ und „saa 1“ eben 7 bzw. 19 Uhr. Kompliziert und man macht ständig Fehler, aber dieses Mal hatten wir die Frau, die wir nach dem Beginn gefragt hatten, schon richtig verstanden. Sie hatte eindeutig „saa 1“ gesagt. Wie auch immer, nun war es passiert und wir konnten früher als geplant nach Hause zurückkehren, nicht ohne vorher dem Bischof versichert zu haben, dass wir am nächsten Tag pünktlich „saa 4“ (öhhh… Also um 10 Uhr) da sein würden. 
Auf dem Rückweg nach Hause klauten wir uns noch ein paar Nadelzweige von ein paar Bäumen im Park. Mit ihnen und den Tannenzapfen gelang es uns doch, eine ganz anständige Weihnachtsdekoration auf die Beine zu stellen. Wir hatten sogar ein kleines Windlicht gebastelt! Das ganze Ensemble könnt ihr ja auch auf dem Titelbild betrachten.

Nun konnten wir uns an das Kochen des Festessens machen. Lange hatten wir überlegt, was es denn nun werden sollte. Irgendetwas besonderes, leckeres, fleischfrei und aus Zutaten, die in Magoye zu bekommen waren. Das stellte schon eine kleine Herausforderung dar, aber mit ein bisschen Fantasie stellten wir unsererseits doch so einiges auf die Beine. Am Ende standen bei uns Rosmarinkartoffeln, Süßkartoffelpüree, Eiersalat, CousCous und Avocadocreme auf dem Tisch. Das alles hatten wir nur in einer Stunde gekocht – Das Magoye-Team kann’s einfach! Und obwohl das Ganze auf den ersten Blick vielleicht etwas durcheinander gewürfelt wirkt, hat es uns echt gut geschmeckt und wir haben so gut wie alles aufgegessen, was fast noch erstaunlicher ist, wenn man mal die Anzahl an gut stopfenden Mahlzeiten bedenkt. Das Geheimnis liegt darin, einfach von allem nur ganz wenig zu kochen. Nur bei dem Süßkartoffelpüree gelang uns das nicht so ganz, aber das war echt nicht unsere Schuld: Auf dem Markt hatten wir nämlich nur Süßkartoffeln in der Größe eines Katzenkörpers gefunden (hm, komischer Vergleich, aber einen anderen habe ich grade nicht). Dann gab es noch ein kleines Missverständnis am Stand und wir bekamen statt einer dieser Giganten gleich zwei. Naja, so konnten wir von dem Süßkartoffelpüree auch noch den nächsten Tag zehren. 

Wenn schon kein in Festtagsbesteck, dann doch immerhin ein selbstgebasteltes Weihnachtslicht

Ja, und die Weihnachsstimmung? War irgendwie doch ein bisschen vorhanden, wenn natürlich auch ganz anders als sonst. Wir haben sogar ein paar Weihnachtslieder beim Kochen gehört und die beiden anderen haben sich sehr gefreut, dass ich viele aus vollem Halse mitgesungen habe – naja, zumindest hat sich keiner beschwert. Grade, weil es bei uns zuhause etwa 15 verschiedene Weihnachtsbräuche gibt, die jedes Jahr ziemlich genau gleich ablaufen, hat man den Unterschied zu diesem Jahr natürlich sehr gemerkt. Aber schlechter war es deswegen nicht. Nur unkonventioneller, spontaner und in manchen Teilen auch lustiger. Man merkt das ja an dem verpassten Gottesdienst, dem „kreativ“ zusammengestellten Essen oder auch daran, dass wir alsbald in Kuschelsocken und Jogginghose vor dem Laptop saßen, Plätzchen aßen und uns gut unterhielten. Nur ein oder zwei Mal musste ich an die Familie denken, die jetzt zuhause in der Kälte unterm Weihnachtsbaum saß, Geschenke öffnete und danach die Weihnachtsgans verspeisen würde. Die meiste Zeit aber war ich im hier und jetzt: In Magoye mit zwei coolen Leuten vor einem Keksteller. Und daran hatte ich absolut nichts auszusetzen.

Heiligabend zu dritt: Links Fritzi, rechts Tori und die andere kennt ihr

Am nächsten Tag waren wir dann pünktlich in der Kirche. Auch wenn der Gottesdienst natürlich selbst für tansanische Verhältnisse ziemlich lange dauerte, war es eigentlich nicht besonders langweilig. Besonders gut hat mir das von kleinen Kindern aufgeführte Krippenspiel gefallen. Sie hatten sich mit allen ihnen zu Verfügung stehenden Mitteln verkleidet und sahen echt super süß aus in viel zu großen Jacken oder mit Tüchern auf dem Kopf. Ihre Texte sagen meist mehrere gleichzeitig auf, wobei alle brüllten, damit man sie auch verstand (von wegen Mikrofon). Ich konnte sie sogar ziemlich gut verstehen, aber das lag natürlich auch daran, dass ich die Weihnachtsgeschichte ganz gut kenne. 

Am Ende des Gottesdienst kam dann noch eine lieb gemeinte, für uns aber etwas peinliche Situation: Der Bischof, der die Predigt gehalten hatte, richtete das Wort an uns, die wir in einer der hinteren Kirchenbänke saßen. Er forderte uns auf, nach vorne zu kommen. Während wir seinem Wunsch nachkamen, erklärte er der gesamten Gemeinde, wer wir seien und was wir hier machen würden. Um uns dafür zu danken, hatte man extra ein Geschenk besorgt: Jeder von uns bekam einen Teil eines Khanga geschenkt. Das ist der Stoff, den man sich so um die Hüften binden kann. Schon vor uns waren Leute nach vorne gebeten worden, die sich um die Gemeinde verdient gemacht hatten. Was hatten die als Dankesgeschenk bekommen? Ein Stück Seife. Und nun standen wir da vorne und bekamen einen Khanga, obwohl Fritzi und ich ja wirklich nur zu Besuch hier waren. Keine Frage, wir haben uns wirklich über das Geschenk gefreut, aber auf der anderen Seite war es wirklich ein unverdientes Geschenk und das war uns peinlich genau bewusst. Alles, was wir nun tun konnten, war, uns sehr bei dem Bischof zu bedanken. 

Nach dem Gottesdienst ging es dann erstmal wieder nach Hause, wo bis zum Abend entspannt und eine Menge Kekse gegessen wurde. Am Abend machten wir uns aber noch einmal auf den Weg: Wie schon gesagt hatte jeder von uns einen Teil eines Khanga geschenkt bekommen. Khanga bestehen immer aus zwei Teilen, die man voneinander trennt (also einfach in der Mitte durchschneiden). Fritzi und ich teilten uns einen Khanga, Tori aber hatten den ihren zusammen mit einer Mama, die sich anscheinend sehr um den Chor verdient gemacht hatte, geschenkt bekommen. Diese Mama hatte den Khanga am Morgen zu sich mitgenommen und uns für den Abend eingeladen, damit Tori ihren Teil abholen konnte.

Im Haus der Mama wurden wir vorzüglich bewirtet und hatten mal wieder alle Hände voll zu tun, immer mehr Essen und Trinken abzuwehren. Die tansanische Gastfreundschaft ist anders als die deutsche: Dort ist es wichtig, das der Gast unterhalten wird, hier ist das Entscheidende, dass er genug zu essen hat. So lief während unseres Besuches die ganze Zeit der Fernseher. Trotzdem kamen ein paar nette Gespräche mit der Mama und ihrem Ehemann zustande und es war schon ziemlich spät, als wir schließlich aufbrachen. Statt aber nun nach Hause zu gehen, hatten Tori und ich noch anderes vor: Sie hatte eine Spontaneinladung von einem ihrer Freunde bekommen, der in einem anderen Dorf nicht weit von Magoye wohnt. Fritzi war schon zu müde und ging lieber schon nach Hause (nicht ganz dumm, immerhin würden wir am nächsten Morgen mal wieder um 4 Uhr aufstehen) und so machten wir uns zu zweit auf den Weg.

Itamba liegt vielleicht auf halber Strecke zwischen Magoye und Matamba. Als wir die Strecke am Tag gelaufen waren, war sie mir eigentlich nicht allzu anstrengend vorgekommen, aber nun war es stockfinster und es hatte grade geregnet. Auf den glitschigen Wegen rutschten wir beinahe nach unten fielen dabei beide mehrfach fast hin und hatten mal wieder viel zu lachen. Bei Joakim (der Name von Toris Freund) angekommen, waren wir nicht mehr so ganz trocken und sauber, aber immerhin unverletzt. Joakim ist Lehrer und spricht deshalb sehr gutes Englisch. Er lebt mit zwei anderen Lehren zusammen, von denen an diesem Abend nur Joycen anwesend war. Zusätzlich hatten sich aber auch noch zwei andere Lehrerinnen eingefunden. Zusammen hatten wir einen lustigen Abend: Es wurde getanzt, gegessen (natürlich) und geredet. Die Lehrerin Upendo machte mir ein Kompliment für mein Swahili, was mich natürlich sehr freute. Wir unterhielten uns über dies und jenes und hatten mal wieder alle Hände voll damit zu tun, immer noch mehr Essen abzuwehren. 

Es war ein wirklich schöner Abend und als wir aufbrachen, war es bestimmt schon nach 10 Uhr. Der Weg zurück war dementsprechend auch ein bisschen unheimlich, aber zu zweit haben Tori und ich es geschafft. Zuhause fielen wir dann wieder mal sofort ins Bett. Am nächsten Morgen würde es nach Iringa gehen, von dort nach Dar es Salaam und schließlich nach Sansibar, um dort Silvester zu feiern. 
Ja, das war also mein erstes Weihnachtsfest ohne die Familie. Wenn ich jetzt daran zurückdenke, finde ich, das wir das erstaunlich gut hinbekommen haben. Ich hatte ja auch tolle Leute um mich. Und es war der Anfang von einem sehr gelungenen Urlaub, von dem ich euch hoffentlich noch mehr berichten werde.

Hier schonmal ein Vorgeschmack auf Sansibar. Auch da war es ganz schön!

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Andrea Möhring sagt:

    Liebe Carla,
    ja, Weihnachten und Jahreswechsel bei Wärme und Sonnenschein sind schon ungewohnt.
    Deine Berichte sind umwerfend, beeindruckend … einfach toll. Du steckst dort im „wirklichen“ Leben! Viel Spaß, Freude und Glück bei all Deinen Unternehmungen in 2017!
    Liebe Grüße aus dem Rheinland
    Andrea

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    1. carliola sagt:

      Liebe Andrea, zwar verspätet, aber doch: Vielen Dank! Ja, das Leben ist hier schon ganz schön präsent. Mir geht’s echt gut hier 🙂
      Hoffentlich lasst ihr es euch auch da oben gut gehen. Viele Grüße!

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