Dieser Moment, wenn…

Ja, das mit Sansibar ist immernoch geplant, aber jetzt kommt erstmal was anderes. Eine nicht chronologische Auflistung von ganz alltäglichen, aber für mich irgendwie doch besonderen Ereignissen, die euch das Leben in Matema vielleicht noch ein bisschen näher bringen werden. Für die Zeit, die ihr zum Lesen dieses Artikels braucht, seid ihr jetzt Carla. Na dann, viel Spaß! 

Dieser Moment wenn…

Du aus dem Urlaub auf Sansibar zurückgekommen bist und seitdem zuerst am Kopf, dann aber auch an anderen Stellen des Körpers so komische Pickel hast. Die meisten sind wieder weg gegangen, aber unter der Axel ist es gestern dann echt zu Größe eines Tischtennisballs angeschwollen (ich verschone euch jetzt mal mit einem Bild, aber echt keine Übertreibung!). Schon da hast du beschlossen, dich heute mal im Krankenhaus zu zeigen. Als du dann aber auch noch in der Nacht aufgewacht bist und dir echt kalt war (das erste Mal überhaupt in Matema), hat sich dieser Entschluss noch verfestigt. Heute morgen bist du dann trotz üblichem Lärms später als gewöhnlich und mit Kopfschmerzen aufgewacht und hast daraufhin deinen Plan verwirklicht. 

Im Krankenhaus angekommen merkst du gleich, was für Vorteile es hat, wenn man krank und gleichzeitig „Mnafanyakazi“ (also Arbeiter) im Hospital ist. Statt wie die anderen Patienten stundenlang schon an der Rezeption stehen müssen, bist du von da aus sofort zum Behandlugsraum und dort hinein geschleust worden – vorbei an bestimmt 30 wartenden Leuten. Darin saß eine junge Assistenzärztin, die du natürlich schon kennst. Nun ging es also darum, dein Problem zu beschreiben – auf Swahili. Eigentlich klappt das Ganze aber erstaunlich gut und du wirst schnell weiter ins Labor geschickt, um dort einen Malariatest zu machen. Auf die hast du momentan (sowie überhaupt generell) echt überhaupt keine Lust. Drei Wochen im Bett rumliegen, das muss ja nun wirklich nicht sein. Zum Glück ist der Test negativ und so war das wichtigste schonmal geklärt. Woher die Symptome jetzt aber sonst so rühren, ist dann nicht mehr interessant. Du wirst einfach mit Schmerztabletten und Antibiotika nach Hause geschickt. Das Ganze hatte noch nicht mal eine Stunde gedauert. Die Krankheit an sich dauert dann auch nicht mehr viel länger – nach etwa 10 Stunden geht es dir wieder restlos gut. Tumshukuru mungu (=Gott sei Dank)!

Dieser Moment wenn: 

du nichts Böses ahnend bei deiner Schneiderin sitzt, um dich ein bisschen (sprich etwa 2 Stunden) zu unterhalten und ein Kleid abzuholen (Nr. 11 – siehe Titelbild) und dann auf einmal jemand vorbeikommt, der einfach mal MILCH verkauft. Du hast eigentlich kein Gas, um die MILCH zu kochen, aber: Es ist einfach mal MILCH! Da kann man nicht Nein sagen! Also kaufst du einen Liter, stellst ihn bei dir in die Wohnung, kommst aus irgendwelchen Gründen erst um 21:30 Uhr nach Hause, versuchst dann eine halbe Stunde lang, das Feuer anzumachen, was dir irgendwann auch gelingt. Das hat wiederum zur Folge, dass du diese einmalige Situation (also das angemachte Feuer) auch nutzen musst. Also machst du um 10:00 Uhr nachts noch schnell einen Brotteig, merkst dabei, dass du nicht mehr genug Mehl hast und streckst das Ganze mit ein bisschen Mais Mehl. Das wird schon auch schmecken! Und dann die große Überraschung: Es brennt nicht an und schmeckt sogar wirklich! Was macht man da also? Klare Sache: Sich um 23:30 Uhr aufs Bett setzen, um warme MILCH und warmes MAISBROT zu essen. Geil. 

Carla kann FEUER!

Dieser Moment wenn: 

Du am Samstag zur Chorprobe gehen willst, die aber noch später als üblich anfängt. Morgen ist Sonntag und bis jetzt weiß noch keiner, welche Lieder wir dort Vorträgen werden. Du bleibst entspannt. Das wird schon. Auch, wenn die Probe dann um 18 Uhr (statt um 16) anfängt und drei Lieder ausgesucht werden, die dir absolut nichts sagen – das bist du ja alles schön gewöhnt. Du stehst also in der Mitte der ersten Reihe und guckst dem Dirigenten (der gleichzeitig dein Chef in der Arbeit ist) direkt ins Gesicht. Die ersten Lieder gehen ja noch an. Du freust dich, dass du das Swahili einigermaßen verstehst und singst fröhlich mit. Und dann kommt das dritte Lied. Moment mal, warum ist denn hier jetzt auf einmal kein Wort mehr zu verstehen? Öhhh… Ist das etwa KINYAKYUSA? Na ganz toll. In der lokalen Stammessprache bist du nämlich echt noch nicht so ganz drin. Haya (=also gut). Dann singst du eben so ein bisschen die Vokale mit, das passt schon. Nachdem das überstanden ist, könnten die Peinlichkeiten für heute doch eigentlich beendet sein, oder? NEIN! Jetzt wird nämlich noch getanzt. In einer einstudierten Choreografie zu einem Lied auf Kinyakjusa, dessen Melodie ich nicht kenne. Das kann ja heiter werden. Wird es dann auch. Besonders für alle, die dir zugucken. Aber ein bisschen lachen musst du dann auch. 

Dieser Moment wenn…

Du das erste Mal hilfst, „Mihogo“, eine örtliche Wurzel, zu schälen und nach 10 Minuten Blasen hast, während die anderen alle schon zwei Stunden geschält haben. Das ist es dir aber viel zu peinlich, um es zuzugeben. Und irgendwie macht es auch trotzdem Spaß. 

Dieser Moment, wenn… 

sich das erste Mal seit längerer Zeit wieder andere „Wazungu“ (=Weiße) in Matema sehen lassen. Zwei von ihnen sind zwei ältere Damen, die nun für drei Monate hier bleiben werden, um in der Bibelschule, aber auch im Krankenhaus zu helfen. Von Anfang an steht für viele Dorfbewohner fest, dass diese beiden nichts anderes sein können, also deine beiden Omas. Dass sie noch nicht einmal Deutsche, sondern Schwedinnen sind, spielt hierbei keine Rolle. 

Der erste Tag für Janett (die eine Dame) im Krankenhaus ist ein richtiger Flashback für dich. Das Vorstellen im Gottesdienst, das herumgestammlte Swahili und das Versprechen, dass man dich Mühe geben würde, die neue Sprache möglichst schnell zu lernen. Genauso bist du damals hier angekommen. Inzwischen reden die Leute aus dem Krankenhaus teilweise schon mit dir über die Neuankömmlinge und Fremden. In den ersten vier Monaten hier hat sich schon ganz schön was geändert. 

Dieser Moment wenn…

Du eigentlich nur noch schnell im Kiosk des Hotels von nebenan „Usiku mwema“(=gute Nacht) sagen wolltest, du dann aber noch schnell von Neno, einer Freundin, die dort arbeitet, eingeladen wirst, mit ihr zum Haareflechten zu gehen. Die Zeit: 8 Uhr abends. Wenn du jetzt anfangen würdest, dir was flechten zu lassen, säße die arme Mama Nema (das ist der Name der Friseurin) wahrscheinlich noch bis 12 Uhr Mitternacht da. Nichts desto trotz gehst du mit. Könnte ja trotzdem lustig werden. Wird es dann auch: Der Saloon (bestehend aus einem 5 qm großen Raum) ist völlig überfüllt. Warum lassen sich die Leute ihre Haare denn eigentlich in der Nacht flechten? Du und Neno setzt euch hin und das erste Mal seit langer Zeit wird deine Aufmerksamkeit mal wieder von einem Fernseher abgelenkt, auf den eine tansanische Seifenoper läuft. Dank der englischen Untertiteln verstehst du das meiste und kannst so feststellen: Davon könnten sich selbst RTL & co. noch so einiges abgucken. 

Die nächste Person kommt in den Laden. Sie hat heute wohl ausgesprochen gute Laune. So beschließt sie kurzerhand, dir „mal schnell“ die Haare zu flechten. Daraus ergibt sich ein nettes Gespräch, bei dem ihr feststellt, dass man immer will, was man nicht hat: Weiße gehen ins Sonnenstudio und lassen sich Locken in die Haare machen, Schwarze schmieren sich die Haut und Haare mit verschiedenen Cremes ein, um sie heller bzw. glatt zu machen. Schon komisch. 

Als bei dir die ersten sechs Zöpfe geflochten sind, wird Mama Neema bei Neno schon fertig. Gut, dass du nicht vor hattest, dir den ganzen Kopf flechten zu lassen. So spazieren ihr über den nächtlichen Markt zurück nach Hause. Und einmal mehr kommst du wesentlich später ins Bett, als du geplant hast. Und bist ziemlich zufrieden damit. 

Dieser Moment, wenn…

Du ziemlich geschafft von der Arbeit auf den Markt stolperst und dort deinen eingeben Augen nicht traust: Das kann es doch gar nicht geben! Doch, es ist wirklich war: Dort, an dem einen Marktstand, liegen doch tatsächlich ÄPFEL und BIRNEN! Du stürzt hin. Ja, kein Zweifel:Es handelt sich hierbei tatsächlich um das erwähnte Obst. Wie hat sich das denn hierher verirrt? Ganz egal. KAUFEN, KAUFEN! Mit deinen Schätzen beladen machst du dich auf den Rückweg – Moment mal: liegen da an dem anderen Stand etwa MANGOS? Kann doch gar nicht sein. Die Saison ist doch nun wirklich vorbei… Aber es lässt sich nicht leugnen: MANGO. Also: KAUFEN, KAUFEN! So. Das war ja heute ein wirklich erfolgreicher Markttag, aber jetzt reicht es auch. Ohne weitere Schwierigkeiten gehtst du von Markt und bist schon fast zuhause… Was ist denn das da hinten? Oh nein, es ist tatsächlich Joy! Sie kommt die entgegen und schleppt in einem Plastikkorb ihren köstlichen, eisgekühlten MANGOSAFT.  Ja, klar, du hast grade schon Mangos bekommen, aber… KAUFEN, KAUFEN! So schnell es schwer beladen geht, flüchtest du dich nach Hause. Einfach furchtbar, das Leben hier. Und zu Essen hat man auch nichts. 

Nichts zu Essen im Haus 😦

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