Schätze gesammelt ? 

Heute geht das Halbjahresseminar in Morogoro zu Ende. Wieder hat sich unsere echt coole Truppe getroffen. Diesmal aber sind wir schon einen Schritt weiter. Wenn ich heute wieder den Weg nach Hause antrete, habe ich eine Vorstellung davon, was mich in Matema erwartet. Und ich freue mich darauf. 

Eine Einheit des Seminars hieß „Schätze sammeln“. Dabei ging es darum, was man in den letzten 5 Monaten schon für positive Erfahrungen gesammelt hat, die einem Kraft, Vertrauen oder Zuversicht für das Jahr gegeben haben. Diese sollte man dann in irgendeiner Form darstellen. Ich habe mich dafür entschieden, zu versuchen, ein Gedicht zu schreiben. Ich warne euch gleich: Ich bin nicht Goethe. Trotzdem möchte es sich vielleicht der eine oder andere trotzdem angucken. 

Dann wäre noch gut zu wissen, was der Titel bedeutet: „Furaha“ steht im Swahili für „Freude/Glück“. 

Das Bild oben zeigt mich übrigens auf der Bergtour, die am Tag danach folgte. 1.300 Höhenmeter hoch und wieder runter, ohne zu sterben – für mich ein voller Erfolg!

Na dann, viel Spaß… 

Furaha 

Heute wurde ich gefragt
Was ich an meinem Leben mag.
Was mich hier aufrecht stehen lässt 
Fünf Monate und auch den Rest.

Tja, was soll ich dazu sagen? 
Ich habe nicht viel Grund zu klagen: 
Natürlich gab es schwere Zeiten 
Doch trotzdem lässt sich nicht bestreiten,
Dass bisher jeder neue Tag
‚Ne coole Überraschung barg.

So geh ich jeden Morgen raus 
Und weiß nicht, was der Tag mir bringt
In Einem aber bin ich sicher: 
Furaha findet sich unbedingt 
Und geh ich abends dann nach Haus
Hör ich, wie meine Seele singt.

Dieser Moment, wenn du vor’s Haus trittst, 
Geweckt vom Hahn am Ende der Nacht
Und der Hund schon längst davor sitzt
Als hätt‘ er dich die Nacht bewacht.
Und wie die Leute auf der Straße,
Wenn sie an dir vorübergeh’n 
Rufen: Carla, Umeamkaje?
Und ich glaube zu erkennen, 
Dass sie sich freu’n, dass sie mich seh’n.

Und somit kann der Tag beginnen 
Und viele Chancen bieten sich mir:
Das erste Mal im Bao gewinnen,
Sich des Swahilis neu entsinnen,
So einigen Heiratsanträgen entrinnen
Und den Stellern erwidern können:
Was ist eigentlich los mit dir? 

So geh ich jeden Morgen raus
Und weiß nicht, was der Tag mir bringt
In Einem aber bin ich sicher: 
Furaha findet sich unbedingt 
Und geh ich abends dann nach Haus
Hör ich, wie meine Seele singt.

Wenn man auf Arbeit dann und wann
Patienten selbst weiterhelfen kann
Und schließlich das erste Mal allein
Mit Doktor auf Visite sein.

Und mit den Arbeitskollegen lachen
Wenn die so richtig Späße machen 
Und wenn sie mich als Carla seh’n  
Anstatt nur so als den Mzungu,
der nicht weiß, wie man Blutdruck misst
Dann nach der Arbeit gezeigt bekommen, 
Wie man richtig Ugali isst.

So geh ich jeden Morgen raus
Und weiß nicht, was der Tag mir bringt
In Einem aber bin ich sicher: 
Furaha findet sich unbedingt 
Und geh ich abends dann nach Haus
Hör ich, wie meine Seele singt.

Und zu erkennen, wo es geht,
Dass man was ändert, etwas dreht
Und dass das meiste eigentlich 
Veränderungen sind für mich. 

Und das ich viel mehr Hilfe brauche, 
Als ich selber geben kann
Und trotzdem manchmal gesagt bekommen:
Hongera! Du strengst dich echt an.

So geh ich jeden Morgen raus
Und weiß nicht, was der Tag mir bringt
In Einem aber bin ich sicher: 
Furaha findet sich unbedingt 
Und geh ich abends dann nach Haus
Hör ich, wie meine Seele singt.

Und all die winzigen Erfolge,
Die andre oft zum Lachen bringen:
Feuer anzünden, im Chor mitsingen
Und – noch die größte Schwierigkeit – 
Das Tanzen lernen im langen Kleid.

Das erste Mal die Haare flechten 
Auf Swahili sprechen von Frauenrechten
Mit anderen Leuten Kuchen backen
Abends dann müde zusammensacken
Und denken: Dieser Tag war toll
Und wieder mal gestrichen voll.

So geh ich jeden Morgen raus
Und weiß nicht, was der Tag mir bringt
In Einem aber bin ich sicher:
Furaha findet sich unbedingt 
Und geh ich abends dann nach Haus
Hör ich, wie meine Seele singt.

Mein Leben: Ein Adventskalender 
Der ein ganzen Jahr lang geht.
Es ist was Gutes, doch keine Ahnung,
Was hinterm nächsten Türchen steht.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Gisela Sauter-Ackermann sagt:

    Das Bild ist „echt stark“!

    Gefällt mir

  2. Jessi sagt:

    Großraum, carli!

    Gefällt mir

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