Dieser Moment wenn… (Volume2) 

Hallo Leute! Hier nochmal eine bunte Sammlung von kurzen Momentaufnahme. Wie beim letzten Mal: Für die Dauer dieses Artikels seid ihr Carla 🙂

 

Dieser Moment , wenn …

da abends nur noch einmal kurz ins Krankenhaus reinschauen wolltest, um eine Freundin auf der Station der Schwangeren zu grüßen, und du dort eine bunte Versammlung an Menschen findest. Nach einem großen Hallo braucht Joyce von der Erwachsenenstation Hilfe bei einem Patienten einem Urinal Catherter einzuführen.

Also gehst du schnell mit, hilfst ein bisschen und unterhältst dich anschließend mit Quadira, die ebenfalls Nachtdienst hat.

Sie hat Liebeskummer, weil sie ihr Freund betrogen hat. Darufhin hat sie sich von ihm getrennt, muss aber immer noch an ihn denken. Trotzdem glaubt sie nicht, dass sie wieder mit ihm zusammenkommen wird. „Wenn er mich einmal betrogen hat, wird es auch wieder tun.“, sagt sie. Für Beratung in Sachen Beziehung eignest du dich zwar eigentlich so ungefähr als letzte, aber immerhin kannst du ihr ein „Pole“ aussprechen.

Irgendwann beschließt du, dich auf den Weg nach hause zu machen. Nur noch einmal schnell im Kreissaal vorbeischauen, um den anderen „Usiku mwema“ (Gute Nacht) zu wünschen … Moment, was ist denn hier los? Alle sind so beschäftigt .. Wird hier etwa … Ja! Es wird jemand für einen Notfallkaiserschnitt vorbereitet!

Jaaa, du wolltest heute eigentlich mal ein bisschen früher ins Bett, aber das kannst du dir natürlich nicht entgehen lassen!

Schon bist du in OP-Kleidung geschlüpft und bereitest alles vor. Wenig später treffen Doktor und Anästhesistin ein und kurz darauf auch die Patientin. Die Operation verläft gut . Kurz vor Mitternacht wird ein schreiendes Mächen in die arme der Hebamme gelegt. Hilda, die „on call“ ist, hat den Kopf bereits neben dir auf den Tisch gelegt. „Das ist nicht fair!“, beschwert sie sich bei dir. „Immer, wenn ich Bereitschaftsdienst habe, gibt es einen Haufen von Notfällen. Bei den anderen passiert viel weniger!“

Tatsächlich musst du zugeben, dass Hilda wirklich Pech hat. Schon gestern und vorgestern musste sie in der Nacht hier antanzen. „Pole Hilda!“, sagst du, aber insgeheim hättest du große Lust, diese Woche noch ein paar Mal mehr an diesen nächtlichen OP’s beteiligt zu sein.

 

Dieser Moment , wenn …

 

du eigentlich schon im Bett liegst und dir dein bester Kumpel schreibt, dass sein Mückennetz gerade zerrissen ist. „Pole! Und unter was schläfst du jetzt?“- „Keine Ahnung,. Ich werde halt einfach so schlafen.“ Hm Klingt für dich nach keiner so guten Idee. Gerade heute Nacht gibt es ziemlich wenig Wind und dadurch ziemlich viele Mücken.

Was also tun? Zum Glück wohnt dein Kumpel nicht alllzu weit entfernt von dir. Als du vor seiner Tür stehst, macht er große Augen. „Was willst du denn jetzt noch hier?“ Du drückst ihm als erstes das Mückenspray in die Hand und nimmst dann das Netz in Augenschein. Zum Glück hat es nur an einer Stelle einen ziemlich langen Riss. Perfekt. Du greifst nach dem Panzertape und klebst los. Die Freiwilligen vor dir, die das Zeug mit auf die Packliste geschrieben haben, waren echt genial: Das Zeug repariert einfach ALLES!

 

Dieser Moment, wenn …

 

du das letzte Mal zum Fußballtraining gehst. Du weißt, dass deine Teamkameraden irgendetwas geplant haben. Aber als du am Bolzplatz ankommst, bist du dann doch überrascht: Alle sitzen am Rand des Spielfeldes auf Bänken. Am Rand stehen zwei große Töpfe. Sie haben doch tatsächlich Essen gekocht! Ein bisschen gerührt bist du schon. Immerhin weißt du, dass keiner der Jungs, mit denen du spielst, besonders viel Geld hat. Reis und Bohnen kosten zwar nicht viel. Aber immerhin mehr als der Ugali, den sie sonst wahrscheinlich heute Nachmittag gegessen hätten.

Es wird eine richtig schöne Feier. Wir halten sogar richtige Reden (du natürlich nur so ein bisschen richtig – Kiswahili wird nämlich schwerer, wenn man es vor vielen Leuten spricht).

Dann heißt es: Essen fassen. Zusätzlich zu dem Reis und den Bohnen werden den Trainern und dir auch noch frittierte Kochbananen mit ein wenig Fleisch serviert. Du hast Hunger und schlingst die erste Banane hinunter. Anfängerfehler! Schon bald merkst du, dass dir alles im Hals stecken bleibt. Tja, peinlich! Zum Glück versteht Exavery dein Gewürge und besorgt schnell eine Flasche Wasser. Gott-sei-Dank, denn du spürst schon einen gewissen Würgereflex. Von jetzt an bist du vorsichtiger.

Nach dem Essen bittest du noch um ein Erinnerungsfoto. Na klar. Aber erstmal müssen sich alle schick machen. Von irgendwo werden die Mannschaftstrikots geholt und die Jungs streifen ihre Sandalen ab, um in Fußballschuhe zu schlüpfen. Dann geht das große Shooting los: Mal nur mit dem Team, dann mit den Trainern, mit den Frauen, die das Essen gekocht haben … alles in den verschiedensten Posen. Zum Glück kennt sich Exavery mit deinem Handy aus und kann so Kameramann spielen. Auf den Fotos bist du also zu sehen, aber durch das leuchtend orangene Trikot nicht von den anderen zu unterscheiden – Naja, fast.

Das besagte Gruppenfoto

 

Dieser Moment, wenn …

 

du das letzte Mal zum Haareflechten gehst. Du hast dir für heute eine ganz besonders ausgefallene Frisur überlegt und Nuru, deine Friseurin, gibt ihr Bestes. Vom Salon aus kann man auf die Hauptstraße Matemas blicken. Und dafür hast du nun ja auch ausreichend Zeit. Immerhin dauert es mindest fünf Stunden, bis all deine Haare zu kleinen Zöpfen verarbeitet sind. Du siehst viele bekannte und Freunde vorbeigehen. Manche winken dir zu. Andere bemerken dich gar nicht. Gegenüber werden gerade Chipsy Mayai zubereitet. Der Geruch ermischt sich mit dem von Haarspray und anderen Parfümen, die hier so gern auf Haare gesprüht werden. Andere Frauen kommen vorbei. Manche plaudern nur ein bisschen mit Nuru, andere wollen sich ebenfalls die Haare flechten lassen. Alle bescheinigen mir, wie schön ich aussehe. „Umependeza sana!“ Dann spielen sie ein bisschen an meinen langen Haaren und fragen, warum Gott euch „Wazungu“ eigentlich bevorzugt habe. Ihre Haare würden nie so lang und glatt werden. Da kannst du darauf nur erwidern, dass die Weißen sich oft Locken wünschen würden. Und außerdem sei es mit glatten langen Haaren viel schwieriger und anstrengender, sich die Haare flechten zu lassen! Alle anderen sitzen höchstens zwei Stunden.

Es ist alle wie immer. Leider weißt du aber, dass du morgen in aller Frühe aus Matema wegfahren wirst. Für eine lange Zeit.

 

Dieser Moment, wenn …

 

du den letzten Auftrag bei deiner Schneiderin Neema abholen willst und du feststellst, dass der Jumsuit, den sie dir genäht hat, wirklich viel zu eng ist. Du fühlst dich wie in einem Taucheranzug. Als Neema dich so sieht, muss sie lachen. „Pole!“ Da werde ich wohl noch einmal ein bisschen was ändern müssen. Es ist schon spät am Abend. Neemas Zwillinge vertreiben sich die Zeit damit, einen alten Autoreifen vor sich her zu rollen. Aber bald kommen sie dann doch zu ihrer Mutter an die Nähmaschine. „Mama, wir haben Hunger!“ Zum Glück kocht der Reis schon in einer Ecke über dem Kohlefeuer. Während Neema meinen Jumper umnäht, unterhaltet ihr euch ein letztes Mal. „Grüß deine Eltern und Geschwister ganz lieb von mir.“, sagt sie. „Wir werden dich sehr vermissen. Wenn wir nicht wüssten, dass du gehst, um zu studieren, würden wir dich bitten zu bleiben. Aber wenn Gott will, werden wir uns wiedersehen.“ „Auf jeden Fall komme ich zurück!“, versprichst du.

Nachdem Neema ihre Arbeit an deinem Jumpsuit beendet hat und er dir passt, gehst du schnell nach Hause. Immerhin wirst du in ca. sieben Stunden in den Bus steigen müssen.

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