Operation Matema – und jetzt? 

In genau einer Woche beginnt mein Medizinstudium in Düsseldorf. Ist keine hässliche Stadt, wie man vielleicht auf den Beitragsbild erkennen kann – allerdings lässt das Wetter momentan ganz schön zu wünschen übrig. Wenn alles glatt geht, werde ich hier also die nächsten fünf Jahre meines Lebens verbringen – was für eine enorm lange Zeit, nicht wahr?  

In fünf Jahren wäre ich dann 25. Fast richtig erwachsen. Vielleicht. Was in diesen fünf Jahren passieren wird? Ist doch klar: Ich habe nicht den blassesten Schimmer. Aber ich habe eine Motivation: Matema.

Ich könnte hier jetzt nochmal lang und breit darüber philosophieren, inwiefern mich das Jahr dort beeinflusst hat und auch in Zukunft beeinflussen wird. Oder ich könnte es auch lassen und ihr findet es selber heraus – indem ihr den Blog weiterlest!

Ich habe mich nämlich dazu entschlossen, dass ich den die „Operation Matema“ weiterführen werde. Also so, wie ich das schon immer gemacht habe: Mal mehr, mal weniger. Wenn ich Lust und Zeit habe, werde ich mich also auf diesem Weg über mein Studium und alles rund um den Rest meines (ach so aufregenden) Lebens mitteilen. Könnte ja vielleicht witzig werden.

Der Name „Operation Matema“ wird bleiben. Das hat zum einen natürlich einen praktischen Grund: Wenn ich jetzt den Namen des Blogs ändere, dann würden manche von euch mich wohl gar nicht mehr finden!

Zum anderen finde ich es aber auch gar nicht mal völlig sinnlos, bei dem Namen zu bleiben. Hier kommen wir jetzt nämlich auf die „Motivation Matema“:

Gleich in der zweiten Woche nach meiner Rückkehr: Praktikum bei ein einer Hausarztpraxis. Hat Spaß gemacht!
Zuerst einmal ziehe ich die Motivation für mein Medizinstudium momentan vor allem aus den Erfahrungen, die ich im Krankenhaus gesammelt habe. Ich hatte so viel Spaß an der Arbeit dort! Und jetzt stelle man sich mal vor, wie viel Spaß es machen würde, wenn ich tatsächlich etwas tun könnte, weil ich die Ausbildung dazu genossen habe. Wie cool wäre das denn?

Ich weiß, dass sich das im Verlauf der nächsten fünf Jahre wahrscheinlich noch mehrere Male ändern wird. Das ist okay. Aber momentan könnte ich mir wirklich gut vorstellen, nach dem Studium etwas in Richtung Ärzte ohne Grenzen – vielleicht sogar Tansania – vielleicht sogar Matema zu machen. Das ist meine Motivation.

Und dann gäbe es da auch noch das mit den Menschen. Ihr wisst schon, ich meine das, wenn man sich gerne mit ihnen trifft und dann was zusammen macht. Am liebsten jeden Tag. Noch lieber auch mal ganz spontan. In Matema musste ich quasi nur vor die Haustür gehen, um jemanden zu finden. Im Notfall hat man einfach an die Haustür des nächsten Bekannten geklopft. Irgendwer ist immer da und zum Plaudern, Schwimmen im See, Kochen oder anderes Zeug machen aufgelegt. Man muss keine Angst haben, dass man stören könnte. Wenn es tatsächlich grade mal im allerseltesten Fall nicht passen sollte, wird das einem schon gesagt werden. Und dann geht man halt zur nächsten Haustür.

Ich habe dieses Leben geliebt und war folglich so gut wie nie Zuhause anzutreffen – zumindest nicht alleine. Und warum in Deutschland nicht versuchen, das fortzusetzen? Keine Angst vor neuen Kontakten, einfach mal an die Türen klopfen! – Okay, vielleicht besser nicht gleich im wörtlichen Sinne. Da würde man schnell für komisch gehalten werden. Natürlich läuft es hier ein bisschen anders. Aber das System sollte eigentlich trotzdem funktionieren:

So was meine ich
Leuten zeigen, dass man sich für sie interessiert und im Gegenzug auch Ihr Interesse ernten. Oder, dass man sie mag und im Gegenzug Ihre Freundschaft bekommen. Das sind alles Sachen, die man nicht nur in Matema lernen kann, ich weiß. Und natürlich hatte ich auch schon vor dem Jahr eine Ahnung davon. Aber irgendwie hat sich meine Zuversicht, dass es so funktionieren könnte, in Matema verstärkt. Und davon natürlich auch meine Motivation.

Vielleicht noch ein drittes Beispiel: Das ist jetzt auch ein bisschen konkreter, wenn es doch erstmal auf demselben Quatsch beruht, den wir alle schon tausend Mal gehört haben: Wir laben auf Kosten anderer. Natürlich nicht aus Boshaftigkeit und auch nicht als bewusste Entscheidung. Aber es ist nun mal so. Damit es uns hier so gut geht, muss es anderen Menschen in anderen Teilen der Welt weniger gut gehen. Also was die Lebensumstände angeht zumindest. Das ist absolut nicht schön. Und gerecht ist es noch weniger. Und ich werde es ganz sicher nicht ändern können. Wahrscheinlich werde ich es noch nicht einmal vollständig schaffen, bei mir selbst so Grundliegendes wie Ernährung oder Kauf- und Konsumverhalten zu ändern. Naja, vielleicht ein bisschen, wenn ich mich anstrenge. Mal sehen.

Aber ich würde auch sehr gerne etwas tun, was man wirklich sehen kann. Mir ist da auch schon was eingefallen: Ich möchte mithelfen, den Bau eines neuen Ops in Matema zu ermöglichen oder zumindest den alten zu verbessern. Der jetzige hat nämlich mehrere, aber vor allem ein ganz entscheidendes Problem: Er besitzt nur einen Raum zum Zweck der Desinfektion und Sterilisation des Operationsmaterials.

Das bedeutet, dass wir beispielsweise nach einem Kaiserschnitt mit den blutbesudelten oder sonst schmutzig gewordenen Instrumenten und Baumwollabdeckungen direkt an dem Regal vorbeigehen, in dem die sterilen Sets für sie nächsten Operationen gelagert werden. Das ist eigentlich nicht akzeptabel und laut Heinke Schimanowski, unserer deutschen Ärztin vor Ort, stellen sich bei den Prüfern des OPs sämtliche Nackenhaare auf, wenn sie das sehen. Mehrfach solltet schon geschlossen worden und jedes Mal ist er grade nochmal so durchgekommen.

Bevor ich euch jetzt weiter davon zutexte: Das mach ich lieber, wenn ich noch konkretere Informationen für euch habe. Auf jeden Fall steht der Plan für einen neuen OP und ich will helfen, ihn zu verwirklichen. Und so suche ich grade noch einer Möglichkeit, das Ganze zu einem Spendenprojekt zu machen. Wenn ich genau weiß, wie ich das machen will, werdet ihr sicher davon erfahren, da seid mal sicher! Ich werde euch dann noch viel mehr darüber erzählen können und auch ein paar Fotos dazustellen. Es könnte eine schöne Sache werden. Immerhin weiß weiß man wirklich ganz genau, dass man bei etwas Sinnvollem helfen kann. Na mal schauen.

Auch das ist also momentan eine Motivation , die mich vorantreibt. Eigentlich könnte ich den anlog auch „Motivation Matema“ nennen, aber gut, dann müsste ich wieder den Namen ändern und außerdem passt das „Operation“ ja trotzdem noch, nur anders als vorher:

Es geht jetzt nämlich darum, diese Motivationen zu behalten und in sinnvolles Handeln umzusetzen. Also nicht nur hier groß herumlabern, sondern auch einfach mal machen! Und das ist eine Operation. Keine einfache übrigens. Und ob sie gelingt? Wahrscheinlich nur in Teilen. Und die Motivationen werden sich mit Sicherheit im Laufe der Zeit verändern. Und es werden neue hinzukommen. Und, und, und.

Und das alles werdet ihr ab jetzt hier auf dem Blog lesen. Vielleicht mal durchsetzt mit einem Flashbacks zu Ereignissen in Tansania, die mir wichtig waren und trotzdem noch keinen Eingang in den Blog gefunden haben. Und bestimmt auch mal mit so mach anderem Zeugs. Kein Plan. Wir werden es wohl alle herausfinden!

Letzte Woche war ich mit einer Freundin und der Kamera am Düsseldorfer Hafen unterwegs – komisches pinkes Boot da rechts unten, oder?

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. LadyAngeli sagt:

    Ich bleibe auf jeden Fall dran. Mit Düsseldorf hast Du Dir da echt eine spezielle Stadt ausgesucht. Einerseits sind sie ziemlich etepetete, von daher krauseln sich mir die Nackenhaare, wenn Du sagst: einfach mal an die nächste Tür klopfen. Dürfte schwierig werden. ;D Entspannter sind sie zur Karnevalszeit, das ist für einige ein Kulturschock. Entweder man mag es oder man flüchtet. Bezüglich Deiner Spendenaktivität fiel mir so ein: Was ist denn mit so einer Art Crowdfunding?
    Ansonsten wünsche ich Dir viel Spaß bei den Düsseldoofen (sorry Insider aus’m Ruhrpott), nein ernsthaft, viel Spaß dort und viel Erfolg beim Studium. Bin gespannt, was Du berichtest.

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    1. carliola sagt:

      Vielen Dank! Ja, das mit dem an die Türen klopfen werde ich hier wohl auch n bisschen anders angehen. Wir schauen mal 😉
      Wegen dem Crowdfunding habe ich auch schon Pläne…

      Gefällt 1 Person

  2. Gisela Sauter-Ackermann sagt:

    Wie schön, dass wir auch in Zukunft nicht ohne Deinen Blog leben müssen. Operation Matema geht also weiter. Ich freue mich auf neue Folgen!

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