Ein guter Tag

Heute Morgen bin ich aufgewacht und dachte zuerst: „Shit, ich habe verschlafen! Der Wecker hat nicht geklingelt und es ist viel zu hell!“ … Und dann habe ich gemerkt, dass ich bei brennenden Licht geschlafen hatte. Oh man. Daran könnte man unschwer erkennen, wie müde ich am vorherigen Abend gewesen sein musste. Kein Wunder: Die letzten Tage hatte ich in Brüssel und Berlin verbracht und dort nicht besonders viel geschlafen, wie das der Natur von Gruppenfahrten und Geburtstagsfeiern entspricht.

Trotzdem hatte mich meine Treue innere Uhr mich auch heute nicht im Stich gelassen: Als ich panisch auf mein Handy guckte, war es erst halb sieben. Genug Zeit also, um sich anzuziehen, die Vorlesungsfolien für den Vormittag im Hörsaal herunterzuladen und festzustellen, dass im Kühlschrank leider irgendwie immer noch kein Frühstück gewachsen ist.

Am Bus traf ich mich dann mit Lena. Die Begrüßung war stürmisch – immerhin hatten wir einander ganze fünf Tage lang nicht mehr gesehen! Eine Busstation weiter stieg auch Catha zu und so konnten wir zu dritt von den spannenden Erlebnissen unseres langen Wochenendes berichten. Während ich wie schon gesagt vor allem von A nach B ( oder vielmehr von B (rüssel) nach B (erlin) ) gereist war, hatte Catharina wirklich Halloween gefeiert – so richtig mit Kostüm und allem drum und dran. Sie hatte ganz schön cool ausgesehen! Wer weiß, vielleicht feiere ich ja im nächsten Jahr mein erstes Halloween!

Der Weg zur Uni führt manchmal auch übers Feld, wenn wir den ersten Bus verpasst haben – eigentlich ganz schön

Im Hörsaal setzten wir uns in unsere gewohnte Reihe unter Klara und Miriam. Leider saßen wir aber nicht direkt unter ihnen wie gewöhnlich, sondern ein bisschen versetzt, was dazu führte, dass Klara und ich unsere coole Begrüßung und noch lauter als gewöhnlich machen mussten: „Klara!“ – „Carla!“ (lauter) „KLARAAA!“ – „CARLAAA!“ – „KLAAAARAAAA!“ – „CAAAARLAAAA!“ Dabei führten wir zusätzlich noch sehr coole Bewegungen aus – war ja kein Problem, da und schließlich ja nur der halbe Hörsaal zugucken konnte.

Auf dem Campus: Miry links und Klara rechts

Die erste Vorlesung drehte sich um die Anatomie der Nerven. Eigentlich ein sehr spannendes Thema, nur erinnerte es mich leider schmerzlich daran, dass ich erstmal den Aufbau von Muskeln verstehen müsste, bevor ich mich solchen Themen zuwenden kann. Naja. Das kommt schon noch.

Bei der zweiten Vorlesung verließ mich dann allerdings jede Hoffnung: Chemie. Das war auch in der Schule schon immer mein Lieblingsfach gewesen (NICHT!). Inzwischen habe ich immerhin das Orbitalmodell ansatzweise verstanden (hoffe ich zumindest mal) – aber leider sind wir jetzt schon etwa drei Themenblöcke weiter – na ganz toll. Zum Glück bin ich anscheinend nicht die einzige, die das Thema noch nicht ganz verstanden hat: Viele meiner Sitznachbarn und eigentlich mindestens 70% des Hörsaals sahen auch nicht so viel hoffnungsvoller aus wie ich.

Nach der Vorlesung musste ich mich erst einmal schmerzhaft von meiner Gruppe verabschieden: Während die anderen zur Mensa gingen, setzte ich mich für eine halbe Stunde in die U-Bahn (die hier in Düsseldorf seltsamer Weise auf großen Strecken wie eine Tram durch die Stadt fährt – warum???), um den ersten Arbeitsvertrag meines Lebens zu unterschreiben. Ich habe nämlich einen Job als Servicekraft bei einer Catering-Agentur bekommen. Natürlich habe ich bis jetzt noch nie zuvor in meinem Leben gekellnert und ich habe schon festgestellt, dass Tellerschleppen echt nicht die leichteste Arbeit ist, aber hey! Wir kriegen das schon hin 🙂

Im Büro der Catering-Firma durfte ich dann erstmal gefühlte 100 Dokumente unterschreiben. Dann würden mir meine Arbeitsklamotten ausgehändigt – hmmm. Ein bisschen was anders als meine Kitengekleider: Weiße Bluse, schwarze Weste, Hose und Schürze und das allerbeste: schwarze Kravatte. Da mein erster Job am Mittwochabend stattfinden wird, werde ich wohl bis dahin lernen müssen, wie man sowas bindet – hoffentlich kann YouTube da weiterhelfen!

Wieder zurück an der Uni würde ich erst einmal durch die Chemie-Übungen vollends demotiviert, aber dafür hatte ich ja auch schon wieder vielversprechenderes Dinge im Sinn: Am letzten Wochenende hatte ich endlich meine Crêpe-Maschine aus Berlin nach Düsseldorf importiert und heute Abend wollten wir diese als einweihen. Ich dachte ursprünglich, dass vielleicht so drei bis vier Leute kommen würden, aber spätestens nach der Chemie-Übung stand fest, dass es wohl doch auf ein paar mehr herauslaufen würde. Super! Dankenswerterweise hatte meine Mitbewohnerin mir ihr OK gegeben, die kleine Horde bei uns zuhause einzuschleppen, und mein Zimmer war ja wahrscheinlich schon groß genug um, öhhh… („Wie viele Leute sind wir denn jetzt eigentlich, Amelie?“)… so etwa zehn Leute zu fassen.

Zuvor ging es aber noch zusammen mit Klara und Lena in den Medichor. Darauf hatte ich mich schon den ganzen Tag gefreut: Coole Musik zusammen mit coolen Leuten, was will man mehr? Dazu kam noch, dass wir heute mit dem Proben für das Stück „Engel“ von Rammstein begannen, was schon damals im Schulchor mein persönlicher Hit gewesen war (soooo schööön!)

Ist es nicht lustig, dass man sich eigentlich immer an Lieder erinnert, selbst wenn man sie schon lange nicht mehr gehört und erst recht nicht gesungen hat? Vielleicht geht es ja auch nur mir so, aber sobald mir eine Melodie aus „alten Zeiten“ über den Weg läuft, kommen zusammen mit ihr auch Erinnerungen an genau diese „alten Zeiten“ in mir hoch.

So schwelgte ich in der Probe ein bisschen in Erinnerungen aus meiner Schulzeit und konnte meine Begeisterung über das Lied nur schwer im Zaum halten. Als wir nach den einzelnen Stimmproben die einzelnen Stimmen wieder zusammensetzten und zu einer Stelle kamen, die wir im Sopran noch gar nicht geprobt hatten, sangen also nur noch Bass, Tenor, Alt und Carla weiter. Spätestens da war dann wohl klar, dass ich den Song schon kannte.

Nach der Probe holten Klara, Lena und ich noch Miry und Michi aus der Bibliothek ab und trafen uns dann an der Bushaltestelle, um zu mir zu fahren.

Eller ist nun nicht gerade als zentraler Stadtteil in Düsseldorf bekannt, aber es hat durchaus seinen Scharm: Ein eigener Wochenmarkt auf dem ehemaligen Dorfplatz, große Backsteinkirche und immerhin noch ein Netto, der auch nach 20:00 Uhr seine Pforten für uns offen hatte. Nun begann also die große Beratung: Was wollten wir denn nun zu den Crêpes essen? Klar: Kinderriegel sind schonmal essentiell, aber was ist mit den salzigen Zutaten? Sollten wir auch Käse mitnehmen? Was war mit Gemüse? Oh ja, und Eis! Welche Sorte? Und dann der Skandal: Wir mussten feststellen, dass im gesamten Sortiment keine einzige Banane mehr zu finden war. Amelie könnte es gar nicht fassen. Keine Bananen auf das Crêpe? Nein! Damit würde der ganze Plan des Essens in sich zusammenfallen! Zum Glück hatten wir noch ein Ass im Ärmel: Catha war noch nicht zu uns gestoßen und konnte somit noch einen schnellen Abstecher zu einem anderen Supermarkt machen. Welch ein Glück! Der Abend war gerettet!

Schließlich kamen wir zuhause an. Die, die nicht mit uns gekommen waren, trafen kurz danach auch ein. Und zum Glück fanden wirklich alle in meinem Zimmer Platz. Während sich die anderen dort also erstmal niederließen, half mir Klara dabei, alles vorzubereiten. Es war mehr als 13 Monate her, seitdem ich zum letzten Mal Crêpe-Teig zubereitet hatte – und dementsprechend war das damals zuhause und mithilfe eines Kochbuches geschehen. Inzwischen habe ich mich ja weiterentwickelt und agiere nun weniger konservativ, was Kochen und Backen angeht – also eher so nach dem Motto „Hau’n wir mal einfach mal rein und gucken, was bei rauskommt!“

Der Schreibtisch ist optimal ausgelastet, würde ich sagen 🙂

In diesem Fall kam zwar tatsächlich ein Teig heraus, aber bis man Crêpe ist damit backen könnte, bräuchte es mehrere Anläufe (Tipp: Man braucht immer viel mehr Butter, als man denkt). Dann konnte es endlich losgehen: Crêpe ist einfach ein mega geiles Essen. Es braucht etwa 15 Minuten, um alles vorzubereiten (noch kürzer, wenn man weiß, wie der Teig geht) und das Backen selber macht ziemlich viel Spaß. Man kann einfach nahezu alles reinhauen: Käse, Schinken, Lauch, Gemüse, Zimt & Zucker, Banane, anderes Obst, Eiscreme, Schoko, Marmelade und Erdnussbutter, für die Verrückten unter euch, die sowas mögen. Am besten mischt ihr das nicht alles zusammen, aber ansonsten kann man eigentlich nicht viel verkehrt machen.

Es wurde ein lustiger Abend: Wir aßen (so viel, dass wir sogar nochmal Teig nachmachen mussten), übten uns in der Anfertigung des perfekten Crêpes (hat voll gut funktioniert) und natürlichen haben wir uns über so einiges unterhalten und viel gelacht.

Anschließend haben wir dann noch meine Kitenge anprobiert. Dazu muss ich erstmal eine kleine Anekdote erzählen:

Ein paar Tage zuvor hatten wir bei Amelie übernachtet. Ich kam gerade von meinem Brüssel-Trip und war nicht nicht zuhause gewesen. Als ich also damals von zuhause aufgebrochen war, hatte ich vergessen, eine Schlafhose einzupacken. Heute witterte ich eine Chance, mir eine von Amelie auszuleihen. Also fragte ich sie: „Hey Amelie, ich habe keine Schlafhose dabei. Kann ich mir eine vom die ausleihen?“ – „Klar. Aber mit was hast du denn die letzen Tage in Brüssel geschlafen?“ – „Mit Kitenge.“ Bis jetzt voll die krasse Geschichte auf jeden Fall! Aber jetzt kam Catha ins Spiel: „MIT WEM HAST DU GESCHLAFEN???“

Sie hatte anscheinend die Frage nicht mitbekommen und wusste zusätzlich nicht, was so ein Kitenge überhaupt ist. Euch dürfte das ja inzwischen klar sein, oder? Diese bunten Stoffe, die ihr gefühlt auf jedem zweiten Foto seht, das in Tansania entstanden ist? Genau die.

Ich habe mich krumm und schief gelacht – und die anderen sich auch, sobald ich Ihnen den Witz erklärt hatte. Und seitdem hat der Kitenge für uns zwei Bedeutungen: Neben der ursprünglichen verstehen wir darunter jetzt eben auch das, was Catha verstanden hat.

Jetzt, wo wir bei mir zuhause waren und ein ganzen Schrank mit den Dingern vor uns stand, mussten die auch mal angezogen werden! An Stücken in den verschiedensten Schnitten und Farben mangelte es natürlich nicht. An dieser Stelle natürlich nochmal ein Danke an Neema, dass du mir so viele coole Sachen geschneidert hast! Die anderen fanden sie übrigens auch cool. Wir haben tatsächlich für jede was gefunden, das sie gut tragen konnte – und sogar für Stephan hatte ich noch ein Massai-Tuch in Petto. Wir sahen so toll aus!

Später habe ich ein Foto von uns auf Facebook gestellt – und super viele Komplimente von meinen Freunden und Bekannten aus Matema bekommen. Besonders Neema hat sich sehr gefreut, als sie ihre gesammelten Werke so gut genutzt gesehen hat.

Wir haben bestimmt bis Mitternacht so gesessen, geredet und natürlich gegessen. Coole Fotos haben wir natürlich auch gemacht, wie ihr seht.

Als die anderen schließlich gingen (nicht, ohne das mir vorher beim Aufräumen geholfen wurde – ihr seid spitze Leute!), war ich echt glücklich. Also so richtig. So ein Glück! Einfach so schnell volle Leute finden, mit denen man lernen, im Chor singen, essen, trinken, feiern und quatschen kann? Ein Traum!

Soooo viele Leute in meinem Zimmer!

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